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Dienstag, 25. November 2014

Ein Weihnachtsbaum im African Style - African Dream Catcher


Dreamcatcher with Ghanaian beads

Weihnachtsvorbereitungen in den Schulen

In den allermeisten Schulen Deutschland steht in der Adventszeit ein Weihnachtsbaum meist in herrschaftlicher Größe und traditionell  geschmückt, also mit Weihnachtskugeln und Sternen und Lametta und Ähnlichem.
In der Schloss-Realschule in Stuttgart gehen die Kunst-Lehrerinnen beim Schmücken jedes Jahr  neue Wege. 

Da diese Schule schon seit Jahren Baobab in Ghana unterstützt, gegenseitige Besuche schon stattgefunden haben und auch ein Patenkind, nämlich Augustina, dort unterstützt und außerdem gute Kontakte  zu einem Schulprojekt in Uganda bestehen, lag es nahe, in diesem Jahr dem Weihnachtsbaum einen „African Style“  zu geben.

Dream Catcher

The Idea of a dream catcher comes from the Native American. Here you can see our african dream catcher. By hanging a dream catcher over our sleeping area, the bad dreams will be deterred by the bead in the feathers will atract and allone the good dreams to pass throught.

 

Perlen aus Ghana

Mit Perlen aus Ghana und getrockneten afrikanischen Früchten samt Federn von deutschem (?) Federvieh wurde in Anlehnung an die indianischen Traumfänger  afrikanischer Weihnachtsbaumschmuck im Kunstunterricht der neunten Klassen hergestellt. 

Kleine afrikanische Masken und Tiere - von  SchülerInnen der 6. Klasse hergestellt  - geben dem Baum einen  'African Style'. 


 

 

Weihnachtsbräuche in Ghana

eine getrocknete Kakao-Frucht
Beim Herstellen der Traumfänger gab es viel Gelegenheit mit den SchülerInnen über die Bräuche zu Weihnachten in Ghana zu reden. Sie wissen schon, dass Ghana überwiegend christlich ist, aber besonders unseren muslimischen SchülerInnen kommen ja die Weihnachts-Bräuche hier in Deutschland sehr deutsch vor.

Gottesdienste am Sonntag und natürlich dann auch zu Weihnachten werden in Ghana mit viel Tanz und Musik gefeiert, es zieht auch mehrmals die ganze Gemeinde singend und im Takt schwingend durch die Kirche. 

Während in Deutschland die Orgel das prägende Musikinstrument ist, wird in Ghana der Gesang in der Kirche mit einem Key-Board oder sogar mit Trommeln begleitet. So ein Gottesdienst in Ghana dauert auch mehrere wenn nicht gar viele Stunden, für Europäer ‚gewöhnungsbdürftig’ – aber sehr beeindruckend.


Egg-Shakers als Weihnachtsbaumkugeln

Schmuck aus Ghana

Viel professioneller und origineller ist natürlich der Schmuck, den die Baobab-Jugendlichen in Anlehnung an die ghanaische  Tradition entwerfen und an Samstagen, wenn sie dazu Lust haben, zusammen mit Volontären herstellen.
Ein Volontär ist auf den Geschmack gekommen und probiert gerade aus, was sich alles aus den Kokosnuss-Schalen machen lässt.

In seinem Blog kann man dazu mehr lesen:

Ein Volontär von Baobab entwirft Schmuck aus Kokosnüssen













Freitag, 21. November 2014

Bitte beteiligen Sie sich an den Heilungskosten von „Little Edith“ mit einer Spende

Wir brauchen ihre Hilfe

Kosten von 2000 € sind in den letzten 3 Monaten für diverse Untersuchungen, für den Krankenhausaufenthalt und für die notwendige Spezialnahrung angelaufen und Baobab bittet um Ihre Unterstützung.
1925 € sind nun schon bis zum 31.12. 2014 durch Spenden nach einem Aufruf bei Facebook und nach diesem Aufruf hier eingegangen - einen ganz großen Dank an diese Spender - 75 € benötigen wir noch, dann sind vorerst alle Rechnungen beglichen.
2012 Edith in der Oxford-Schule

 Little Edith lebte als ganz kleines Kind auf den Straßen von Accra - unvorstellbar


Little Edith hat es besonders schwer getroffen. Sie ist die  Tochter von Esther, einer ehemaligen Baobab-Schülerin, die viel zu früh schwanger wurde und völlig überfordert war. Eineinhalb Jahre lebte Esther mit der ganz kleinen Tochter in Accra auf der Straße.

Als Esther mit einem 2. Kind schwanger wurde, nahm die 'Baobab Children Foundation'  Esther und ihren Nachwuchs aus Sorge um die Kleinen wieder auf und gab Esther kleinere Aufgaben in der Küche, die sie ausführen konnte, wenn ihr das neben der Pflege ihrer 2 kleinen Kinder möglich war.
Aber die jungen Mutter Esther war von der Mutterrolle völlig überfordert, lehnte die Kinder auch ab und schließlich entschied Social Welfare, dass Baobab die Vormundschaft für beide kleinen Kinder übertragen wurde.

'Baobab Children Foundation' übernimmt die Vormundschaft

von links: Little Edith, Jessica und 1 Junge spielen
vor dem Haufen Apfelsinen, der dort gelagert wird (2012)
Es kehrte Ruhe und Beständigkeit in das Leben der Kinder ein. Little Edith kümmerte sich immer rührend um die kleine Schwester Jessica. Während sich Jessica zu einem unbeschwerten fröhlichen Kind entwickelte, war Little Edith die frühe Erfahrung der Vernachlässigung noch jahrelang anzumerken, denn neben traumatischen Schäden zeigte sie auch immer wieder in ihrem Verhalten, dass sie Schweres erlebt haben muss. Wurde z. B. das Mittagessen ausgeteilt, so zog sie sich in den ersten Jahren auf eine Bank zurück und sicherte völlig unnötig ihren Teller ab, damit ihr ja niemand dieses Essen streitig machen konnte, obwohl es bei Baobab ja für sie und alle anderen genug zu essen gab und alle jederzeit einen Nachschlag holen konnten.
Die ersten Grundschuljahre war Little Edith auf der Oxford-Schule ganz in der Nähe, da konnte man sie zu Fuß hinbrigen und abholen. Dann wurde für sie und ihre Schwester eine passendere Schule gefunden: The International Academy of Science + Arts, dort blühte Little Edith richtig auf.

Vor zwei Jahren fing sie an zu krampfen, aber die Ärzte in Kissi  und Cape Coast  konnten ihren Abbau nicht wirklich aufhalten, sie fanden die Ursachen einfach nicht.
Als Little Edith nun trotz aller Bemühungen immer weiter an Gewicht verlor, die Krämpfe zunahmen und schließlich auch noch die Stimme wegblieb, musste Baobab sie in das gut ausgestattete Kinderkrankenhaus nach Accra, der Hauptstadt, bringen. Für spezielle Tests wurde sie noch in andere Kliniken gefahren.
In den Ferien bei Hannah (2012)

Medizinische Behandlungskosten in Ghana

Nun gibt es in Ghana keine Krankenversicherung wie in  Deutschland. Jede Behandlung, jede Medizin muss im Voraus bezahlt werden. Für die Ernährung der Kranken muss ein Verwandter sorgen, das wird nicht vom Krankenhaus gestellt.

 Am 13.10.14 hat Edith de Vos den 1. Spendenaufruf für Little Edith gestartet.

Also hat Baobab die bewährte Pflegemutter Hannah, die sich schon jahrelang rührend um Augustina gekümmert hat, angestellt für die Versorgung von Little Edith, solange diese im Krankenhaus ist. Sie kennt die beiden Schwestern sehr gut, denn auch in den Ferien waren die Schwestern immer wieder bei ihr.

Wenn Sie mehr über Augustina und die Pflegemutter Hannah lesen möchten, dann bitte hier die Homepage von Baobab anklicken.

Am 8.11.14 haben wir die neusten Infos über Augustina auf unsere Facebookseite gestellt.


Stand am 20. Dezember 2014

Einigen Ursachen von Little Ediths Erkrankung ist man auf die Schliche gekommen und ein Behandlungsplan mit Medizin und spezieller afrikanischer Zusatznahrung ist inzwischen erstellt. So ist wieder daheim, also bei Baobab. Nun erhält sie  jeden Tag eine Kokosnuss, mehrere Bananen und dem normalen Baobab-Essen wird noch Moringapowder beigefügt. Bananen mochte sie  immer schon sehr.
Aber so eine Behandlung schlägt nicht sofort an, sie bekommt noch immer Krämpfe, wenn auch schon deutlich weniger. Little Edith flüstert noch, es wird auch noch dauern, bis sie wieder deutlich mehr Gewicht hat.
Aber es tut ihr psychisch gut, dass sie so viel Aufmerksamkeit bekommt und sie ist recht fröhlich. Der Bericht der Ärztin stand lange aus, denn die Ärztin hatte Urlaub. inzwischen hat Edith de Vos ihn in Accra in der Klinik abholen können. Sie musste persönlich hin, so ist das in Ghana. Im Februar soll ein Spezialist kommen, den muss man dann noch mal mit Little Edith aufsuchen. Wir hoffen alle sehr, dass dieses kleine Mädchen nun richtig gesund wird.
Möglicherweise muss aber auch noch der Rat eines deutschen Arztes eingeholt werden.

 Wir brauchen Ihre Hilfe

Bitte helfen Sie uns, damit wir auch die nächsten Behandlungskosten stemmen können. Auch kleine Spenden auf unser Konto mit dem Zusatz „Little Edith“ helfen uns schon, sie machen Mut zu helfen.

Wir berichten weiterhin über die eingegangenen Spenden für Little Edith und auch über  ihre gessundheitlichen Fortschritte.

Konto

Spendenkonto Baobab Children Foundation bei der Volksbank Freiburg,
Kennwort: „Little Edith“
IBAN: DE86 6809 0000 0017 2380 00
Bic:      GENODE 61 FR1

Ich sage schon mal: Danke!!

Nachtrag

Ich habe Little Edith und ihre Mutter samt 2. kleinen Baby über die Jahreswende 2008/09 kennen gelernt und dann 2011/12 über 4 Monate mit beiden Kindern im Baobab Centre gelebt. Auch wenn Little Edith nicht immer ganz einfach war - traumatisierte Kinder können gar nicht einfach sein - sie ist ein liebenswertes Kind, dem ich mit diesem Artikel auf meine Art helfen möchte. Bitte senden Sie diesen Artikel weiter an Bekannte oder Freunde.
Unter diesem Absatz finden sie links ein Symbol mit einem Briefumschlag und Pfeil, da anklicken und Sie können  diesen Artikel gleich als E-Mail weiterleiten.





Dienstag, 18. November 2014

Seiner eigenen Geschichte in der Ferne begegnen


Eindrücke während eines Aufenthalts bei Baobab in Ghana

Volontäre sind bis zu einem Jahr bei Baobab, wir vom Vorstand des dt. Baobab-Vereins waren auch schon alle mehrere Wochen oder Monate vor Ort und haben dort mitgearbeitet. Wie verändert einen dieser Aufenthalt? Hier ein kleiner persönlicher Einblick  von mir:

Ich kann es Zufall nennen oder eben einen Weg, der mich nun gerade hier oder dorthin gebracht hat, aber ich glaube, es ist in erster Linie immer die eigene noch im Unklaren liegende Geschichte. Geschrieben wird die Geschichte gar nicht von mir, sondern viel mehr von all dem, was mir hier widerfährt, was mir auffällt, worüber ich stolpere.
Die Mädchen spielen mit Jessica
Daheim in Deutschland in meiner gewohnten Umgebung fällt mit nicht wirklich viel auf, ja, als kleines Kind, da kam ich aus dem Staunen kaum heraus. Heute muss ich nach Westafrika reisen, wo meine Überzeugungen und meine Sichtweise erst mal außer Kraft gesetzt sind, ich muss erst  meine gewohnte Umgebung verlassen, um wieder sehen und staunen zu lernen. 
Einige Baobab-Kinder nennen mich hier „Madam Bib, my grandma“, andere hängen sich an mich oder drängen sich in meinen Arm. Einige zupfen nun schon sicherlich zum 5 x an meiner hellen Haut, ohne dass es mir lästig wird und ich lasse hier Dinge zu, die sich meine SchülerInnen in Deutschland nicht herausnehmen dürften. Aber hier erscheint es mir richtig. Ich glaube, ich hätte z. B. als Kind auch gerne mal an einer dunklen Haut gezupft.
In den Kindern und Jugendlichen von Baobab und in ihren Eltern begegne ich manchmal meiner Familie, meinen Geschwistern und auch manch einem Schüler meiner bisherigen Schultätigkeit, einem, dem ich helfen konnte oder auch einem, wo ich wohl versagt habe.

Schlank sein

Lizbeth und Joyce
Mein Blick hat sich verändert.  Hier bewundere ich niemanden, weil er oder sie so schön schlank ist. Alle Kinder sind, wenn sie zu Baobab kommen, schlank, dünn, nie ist auch nur ein Gramm zu viel an ihnen. Dünn sein ist hier ein Zeichen  von Armut mit dem Geruch von Hunger. Wenn ich unsere rheumakranke spindeldünne Lizbeth sehe, dann frage ich mich schon, ob sie wirklich genug isst, ob wir mehr auf ihr Essen achten müssten, aber wer achtet schon in Ghana darauf, dass Kinder genug essen, das machen sie selbst, sie schauen, ob sie auch genug abbekommen, von dem, was da ist. Und bei Baobab ist immer genug da, jeder kann sich bei Evelyn oder Baidoo eine weitere Portion holen. Joyce holt sich gleich besonders große Portionen, wahrscheinlich scheint die Erfahrung von Hunger in der Kindheit sie dazu zu bringen, jetzt wo genug da ist, auch gut zuzugreifen.



Hier sind die älteren Geschwister für die jüngeren zuständig, immer, ohne Ausnahme. Erst fand ich das hart an der Grenze zur Kinderarbeit, wenn eine Sechsjährige ihre einjährige Schwester auf dem  Rücken trägt. Aber ich musste auch mit 10 Jahren mit dem kleinen Bruder im Kinderwagen losziehen und geschadet hat es mir nicht, es hat ein Verantwortungsgefühl für den Bruder entstehen lassen. Aber vielleicht hinkt der Vergleich auch.


Die Gerüche Afrikas

Die Armut hier sehen, sich irgendwie mit ihr arangieren, die nicht enden wollenden Düfte Afrikas zu seinen machen, die guten natürlich, ja, gerne, immer, kein Problem, die Gewürze, die Früchte, das Meer, die Gräser, die Blüten.
Aber 'Afrika riechen' heißt auch die Nase vor den Abwasserkanälen in Städten wie Cape Coast oder  sonst wo auf dem Kontinent zu verschließen. Dieses Zuhalten der Nase als immer wieder notwendiger Schutz, um in einer Stadt wie dieser seine Lebensfreude nicht zu verlieren: Einfach den Atem anhalten, solange man über so eine Rinne drübersteigen muss, um bloß nicht zu riechen, was da alles am Straßenrand in dieser Rinne so schwemmt.

Die Abwasserkänäle in Cape Coast sind nur teilweise notdürftig mit Holzbrettern überdeckt. Es stinkt!




Freitag, 14. November 2014

Eine Kindheit in Ghana



Eine alleinerziehende Mutter ist überfordert

Der Baobab-Baum,
ca. 2008 gemalt von Isaac K. Arthur
Isaac wächst in sehr armen Verhältnissen in einem Dorf auf. Er muss von klein auf viel auf dem Feld mitarbeiten. Dann trennen sich die Eltern und der Vater zieht weiter weg und lebt mit einer neuen Frau, jedenfalls ist es zu weit für Isaac, um seinen Vater zu besuchen. Nun hängt alles an der Mutter, aber  allein schafft sie es nicht, genug für sich und Isaac heranzuschaffen.

 

Der Hunger ist groß

Isaac muss nun täglich vor der Schule mehrere Stunden auf dem Feld arbeiten, der Hunger ist groß, die Last der Arbeit auch, oft ist es nicht möglich, noch zur Schule zu gehen. Etwas mehr als fünf  Jahre geht er unregelmäßig zur Schule, aber dann bricht er ab, School-Drop-Outs“ nennen wir das.
Er arbeitet auf dem Feld der Mutter und hat viel Hunger. Irgendwann ist die Mutter nicht mehr da und der Vater unendlich weit weg, jedenfalls, wenn man alle Strecken zu Fuß gehen muss.

Der Junge sucht einen Ausweg aus der Not

Aber in der Nähe seines Dorfes Kissi gibt es inzwischen die Baobab Schule und Isaac nimmt sich vor, Madame Edith zu fragen, ob er da auch hin darf. Erst verpasst er sie mehrmals, dann versucht er früher an der Straße zu stehen, wo sie mit ihrem Land Rover lang fährt und kann sie schließlich anhalten und fragen.

Die 'Baobab Children Foundation'

Isaac stellt seine Werke auf einer Baobab Veranstaltung aus.
Edith de Vos sagt ihm, er solle am nächsten Tag zum 'Baobab Centre' kommen und mit Mr. Alhaji sprechen. Tags drauf macht er sich früh auf den Weg und wartet lange und der Hunger macht ihm zu schaffen.  Mr. Alhaji kann aber nicht einfach einen vielleicht Vierzehnjährigen aufnehmen, eigentlich muss immer ein Elternteil mitkommen oder zumindest ein Verwandter, um die Angaben des Jugendlichen zu bestätigen. Aber die Mutter ist irgendwo und der Vater weit weg, andere Verwandte wohnen auch nicht in der Nähe. Schließlich kommt eine Nachbarin mit und kann bestätigen, dass Isaac die Wahrheit gesagt hat.
Und Isaac wird aufgenommen.

Er kann die nächsten 5 Jahre in dem Jugenhostel wohnen, im Frühjahr 2011 brennt dieses Rundhaus dann aber durch ein Buschfeuer ab.


Isaac bekommt nun drei warme Mahlzeiten jeden Tag bei Baobab, er hat auch wieder Unterricht.

Der Junge erhält auch ein Fahrrad aus einer größeren Lieferung von Fahrrädern, die ein Freiburger Lehrer immer wieder für Baobab sammelt. Heute wird diese Sammlung von der Stuttgarter Gruppe 'Fahrräder für Afrika' durchgeführt. Isaac muss sein Rad oft reparieren, so dass er später sagt, neben allen anderen Dingen, die er in den 5 Jahren bei Baobab gelernt hat, Fahrräder kann er auch gut und schnell reparieren. 

Wer mehr über 'Fahrräder für Afrika' wissen möchte, bitte hier anklicken.

Außerdem ist er zum Schreiner ausgebildet worden und Baobab hofft, dass er in diesem Beruf Arbeit suchen würde. Zum Abschluss seiner Ausbildung erhält er deshalb auch eine Grundausstattung an Schreinerwerkzeugen.
2012 von Isaac gemalt

Ein junger aufstrebender Künstler, Schüler von Godwin Adjei Sowah 

Aber Isaac will einen anderen Weg gehen, denn inzwischen versteht er sich in erster Linie als Künstler, denn diese Fähigkeit hat er in den Kunstkursen von G. Adjei Sowah entdecken und ausleben können.
Adjei kommt seit Jahren jeden Monat für eine Woche zu  Baobab und  macht mit allen Jugendlichen, die begabt sind oder einfach Lust am Malen haben, einen Intensiv-Kurs, meist malen sie mit Acrylfarben.

Isaac präsentiert seine neuen Bilder 2012/13
vor dem 'Baobab House' in Cape Coast
Isaac malt in jeder freien Minute und wenn er das Geld für die Materialien hat. Seit 2011 kann er  eine Reihe von Bildern im 'Baobab House' in Cape Caost oder anderswo verkaufen, aber leben kann er davon noch nicht ganz, sodass er froh ist, dass er ein regelmäßiges Einkommen als Kellner im Restaurant des „Baobab Houses“ hat.

Hier anklicken, wer zur Facebook-Seite des Baobab Houses kommen will. 

Wenn man diesen selbstbewussten jungen Mann heute sieht, dann kann man sich nicht vorstellen, was er alles schon in seinem Leben erlebt hat.

Isaac ist auch in einem Werbefilm für das 'Baobab House' zu sehen.

Der Hunger der frühen Jahre

Aber wenn er von dem Hunger seiner frühen Jahre spricht, dann erlebt er ihn kurz noch mal, dann spürt man als Zuhörerin etwas davon.

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Montag, 10. November 2014

Der Film „Examen d’Etat“ von Dieudo Hamadi


Wenn es euch irgendwo möglich ist, dann seht euch den Film „Examen d’Etat“, Abschlussprüfung, an, bringt ihn in den Verleih eurer Stadt, fragt bei den Verantwortlichen nach, ob er nicht im Rahmen von Afrika- oder Schul-Veranstaltungen gezeigt werden kann.

Der Regisseur Dieudo Hamadi

Der Film des aus dem Kongo stammenden Regisseurs Dieudo Hamadi ist anzusiedeln zwischen Dokumentar- und Spielfilm. Er dokumentiert das Erleben der Abschlussprüfung am Ende der Oberschule im Kongo, aber es könnte auch in jedem anderen afrikanischen Land spielen.

Die Last der Schulgebühren

Alles ist drin, das fehlende Geld für die School-Fees, das Verbannen aus der Schule  auch noch kurz vor der Abschlussprüfung, wenn die Schulgebühren einfach nicht gezahlt werden können, das Arbeiten auf dem hektischen Markt ganz früh morgens vor der Schule oder dann auch danach. Aber selbst dieser Nebenjob bringt nicht so viel ein, dass die Schulgebühren bezahlt werden können.

Alte Traditionen

Schließlich wird auch bei Priestern und rituellen Heilern Unterstützung eingeholt, vielleicht glaubt man an die Tradition und Religion der Vorfahren, vielleicht ist das nur ein weiterer Versuch, irgendwie die Abschlussprüfung noch zu retten, denn schaden kann das Beschwören alter Riten ja auch nicht.

Bestechung

Die Prüfungsunterlagen sind  wie in Deutschland gewissenhaft versiegelt, aber irgendwo muss ein Loch im System sein, denn  Bestechung und Verkauf der Lösungen werden angedeutet.

Das zerfallende Bildungssystem

Durch die seit Monaten ausstehenden Gehälter der Lehrer sehen sich diese zu drastischen Maßnahmen gezwungen und geben damit den Druck an die Schwächeren, an die SchülerInnen, weiter.
Diese sind durch einen längeren Streik der Lehrkräfte mit dem Stoff  im Rückstand und fühlen sich mit Recht nicht genügend vorbereitet auf das Examen.

Die Kraft der Bilder

Und bei allem wird nicht viel gesprochen, es erschließt sich viel mehr aus den aussagekräftigen Bildern, den Gesichtern der Jugendlichen, der unbändig ausgelebten  Freude nach bestandener Prüfung oder der Niedergeschlagenheit beim Scheitern.
Diesen außergewöhnlichen Regisseur Dieudo Hamadi müssen wir uns merken, der hat eine Fähigkeit, die realen Bilder sprechen zu lassen, das geht unter die Haut.
Ich habe zeitweise vergessen, dass dieser Film in Kongo spielt, es hätte ebenso in Ghana sein können. Die Thematik ist universell.

Ein wichtiger Film für die Jugend in Deutschland – aber werden sie ihn je sehen?

Diesen Film in Deutschland zu zeigen wäre wichtig, werden da doch die Probleme unserer SchülerInnen relativiert, denn bei all dem Leistungsdruck oder den finanziellen Problemen, die auch ein Teil unserer SchülerInnen haben, hier wird niemand von der Schule verwiesen, weil er nichts zum Gehalt der LehrerInnen beitragen kann.

Eine Empfehlung ist dieser Film auch für alle Lehrkräfte – einfach sehenswert.

Danksagung

Einen Dank an die Verantwortlichen der ‚Afrika-Tage’  als Teil der ‚Französischen Filmtage’ Tübingen/Stuttgart im Oktober/November 2014

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Sonntag, 9. November 2014

Was ist die BAOBAB CHILDREN FOUNDATION?


Ein paar Fakten zu Baobab

Baobab ist eine in Ghana eingetragene NGO (=Nicht-Regierungs-Organisation), die seit 2005 ein Schul- und Ausbildungszentrum in West-Afrika in Ghana aufbaut und unterhält.
Kunstunterricht im Freien


Wie alles anfing


Die Freiburger Lehrerin Edith de Vos ist die Gründerin und auch das Gesicht von Baobab. Sie lebt seit 2001 überwiegend in Ghana, wo sie als „Managing Director“ zusammen mit ihren ghanaischen Kollegen das Projekt ständig weiterentwickelt.

Die Baobab  School

Der Hauptpfeiler des Projekts ist die “Baobab Schule für Handwerk und Kunsthandwerk” 
(= Baobab School) für analphabetische Jugendliche, viele mit seelischen oder körperlichen Handicaps, alle aus sehr armen Verhältnissen.

2014 wurde ein neues Schulgebäude gebaut.

Hier anklicken und Sie bekommen mehr Infos zur Baobab School

Baobab ist inzwischen eine Inklusions-Schule
Die private Internats-Schule für die Ärmsten der Armen ist seit 2013 auch eine Inklusionsschule, dies geschieht in Zusammenarbeit mit der Universität München und „Afrika Action Deutschland e.V.“ und zwar im Rahmen des Programms „Inclusive Education in Action: Worldwide Experiences“. 

Das Baobab Center
25 km westlich von Cape Coast hat Baobab ca. 5 ha Land gepachtet und wird immer mehr zu einem Zentrum mit Werkstätten, Schule, einem Mädchen- und einem Jungenheim, in dem derzeit 70 Schülerinnen und Schüler während eines Terms, das sind 3 Monate, leben. Dazu gehören auch eine Küche mit Dining Hall, eine organische Farm samt 2 Solarbauten zum Trocknen der Pflanzen sowie ein Medizingarten.
Sechs x im Jahr findet eine Lehrer - Eltern – Schüler-Versammlung statt, wo vor allem den Eltern der Baobab-Kinder der Arbeitshintergrund, die Probleme, Erfolge und Zukunftsaussichten vermittelt werden. Diese Eltern bzw. andere Verwandten werden immer wieder mit eingebunden in die Verantwortung für diese Schule. Sie beteiligen sich an notwendigen Arbeiten oder bringen auch mal Produkte ihrer kleinen Farmen für die Baobab-Schulküche.
Nach jedem Term fahren die Kinder für einen Monat zu ihren Eltern oder anderen Verwandten, bei denen sie leben können, und unterstützen diese im täglichen Leben.

Nach welchen Prinzipien arbeitet Baobab?

Baobab handelt nach dem Prinzip der Selbstverantwortung und achtet die Würde der Kinder und der Erwachsenen.
Die Projektverantwortlichen versuchen mehr Eigenverantwortung für den jeweiligen Arbeitsbereich zu ermöglichen, so dass das Projekt in Zukunft von Ghanaern geleitet und selbst verantwortet werden kann.

 Die 'Baobab Culture Troupe'

Außerdem steht das Projekt auch tanz- und trommelbegeisterten Jugendlichen der Umgebung mittwochs offen, die sich in der „Baobab Culture Troupe“ einbringen können.

Hier anklicken und Sie bekommen mehr Infos zur Tanz- und Trommelgruppe von Baobab.


Das 'Baobab House'


Durch das Projekt „Baobab House“ in Cape Coast erwirtschaftet Baobab inzwischen auch in Ghana Gelder, um die Schule zu einem Teil selbst zu finanzieren. Weitere kleine  Unternehmen sollen in Zukunft einen weiteren Teil dazu beitragen, gerade ist z. B. mit der Herstellung von Perlen aus Glas-Recycling durch einen Meister, eingebunden in das Baobab-Zentrum, begonnen worden. 

Hier anklicken und Sie sind auf die Homepage des "Baobab Houses" in Cape Coast in Ghana

Der deutsche Verein Baobab Children Foundation e.V.
Der ehrenamtlich arbeitende deutsche Verein „Baobab Children Foundation e.V.“ unterstützt Baobab Ghana durch Fundraising, Patenschaften und Verwaltung der Spendengelder.  

Wenn Sie hier klicken und etwas Geduld haben, dann öffnet sich ein Patenschaftsantrag.

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Mittwoch, 5. November 2014

Darf der Besuch einer Grundschule am Besitz von Halbschuhen scheitern?


Wie kommt eine Frau aus Europa auf die Idee, eine Schule für jugendliche Analphabeten in Afrika zu gründen?

Eine Reise der Freiburger Lehrerin Edith de Vos führt sie fast zufällig 2001 nach Ghana. Dort angekommen, fragt sie Kinder auf der Straße, warum sie nicht in der Schule wären, es wären doch keine Ferien mehr. Die Antwort „sie hätten keine richtigen Halbschuhe und ohne diese würden die Lehrer sie aus der Grundschule fortjagen“, bringt diese Lehrerin dazu, in Deutschland Spenden zu sammeln, damit ein Schulbesuch der Grundschule nicht an fehlenden Halbschuhen, eh ein Relikt aus der britischen Kolonialzeit, scheitern darf.  
Eine Oxford-Schülerin

Die 'Oxford School' in Kissi in der Central-Region von Ghana bietet sich zur Zusammenarbeit an und in den nächsten 13 Jahren werden viele Kinder   mit einer finanziellen Unterstützung durch Paten aus Deutschland diese Schule besuchen können. Damit die Paten wissen, wie es dem Kind geht, das sie unterstützen, schreiben diese 1 x im Jahr einen Brief. Auf der 4. Seite des folgenden Rundbriefes ist dazu ein Artikel samt Foto zu finden:
Die Oxford-SchülerInnen bedanken sich bei ihren Paten in Deutschland.  
Für weitere Infos zur 'Oxford-School' hier anklicken.

Die Hauptstadt von Ghana, Accra, boomt schon in einigen Stadtteilen, im Hinterland Ghanas ist davon aber nichts zu spüren

Viele Kinder aus den ländlichen Regionen von Ghana, meistens Kinder von Bauern mit einem ganz winzigen Stück Land, was gerade ganz knapp (oder auch nicht) zur Ernährung der Familie reicht, können nur  mit dieser Unterstützung in die ‚Oxford School’ gehen.

Das spricht sich in der Umgebung von Kissi rum, immer mehr Kinder wollen diese Chance bekommen, auch ältere Kinder. Doch kein Grundschul-Direktor von Kissi will jugendliche Analphabeten in seiner 1. Klasse, die Klassen sind eh schon viel zu groß.
Edith de Vos muss deshalb immer wieder die älteren Kinder abweisen, aber sie sieht die Not dieser Kinder, sieht ihren Wunsch nach Bildung, den Wunsch, endlich auch noch eine Chance zu bekommen.

Die Baobab School 

Edith de Vos kann nach einigen Jahren die Augen nicht mehr verschließen vor diesen so berechtigten Wünschen, pachtet 2005 ein großes Stück Land, lässt zwei Rundhäuser mit Schlafräumen für die Mädchen und für die Jungen erbauen und legt den Grundstein für die 'Baobab School', eine Schule für jugendliche Analphabeten und für 'School-drop-outs', die schon mal etwas in einer Schule waren, aber dann nicht mehr gehen konnten, vielleicht weil die Schuhe auseinander gefallen waren.

Und der Unterricht beginnt erst einmal vor diesen Rundhäusern im Freien, unten den Bäumen, die Schatten spenden. Madame Veronika wird die erste Lehrerin.

Vielleicht sollte ich mal hier die Geschichte von Isaac wiedergeben, wie er alles drangesetzt hat, in dieser Schule aufgenommen zu werden. Will sie einer hören?

Und die „Baobab Children Foundation“, genannt Baobab, wächst,  Werkstätten kommen hinzu, immer mehr Gebäude entstehen im Baobab Centre, aber es gibt auch Rückschläge wie den Buschbrand, worüber es auch einen Bericht hier in diesem Blog  gibt.

Wer die weitere Entwicklung von Baobab verfolgen möchte, klicke hier an:
Hier geht es zur Homepage der Baobab Children Foundation

Samstag, 1. November 2014

Was hat Ebola mit Baobab in Ghana in West-Afrika zu tun?


Buschbrand  

die frühere Kente-Werkstatt mit Reetdach
Zwei  junge Burschen, nicht mittellos, denn sie besitzen Mopeds, aber zur Zeit wieder mal ohne richtige Arbeit, ohne legales Einnahmen, kommen angebraust und stecken schnell und gekonnt eine Fläche Busch in Brand.
Die Jahreszeit Anfang März im Jahr 2011 haben sie für ihr Vorhaben gut gewählt, Regen gab es schon seit Monaten nicht mehr und alle Vegetation ist trocken, vieles geradezu verdorrt.
Sie postieren sich mit Gewehren an zwei Stellen und warten einfach ab. Es dauert nicht lange, da kommen schon die ersten aufgeschreckten kleinen Buschtiere aus dem brennenden Gestrüpp und wollen sich in Sicherheit bringen, doch sie laufen den beiden Männern geradewegs vor die Flinte und werden deren leichte Beute.
Nach wenigen Minuten haben sie so viele Tiere erlegt, wie sie auf ihren Mopeds mitnehmen können und sie brausen davon, bevor jemand sie wegen ihrer Schießerei zur Rede stellen kann.
Es ist allerlei kleines Viehzeug dabei, vielleicht auch ein Flughund, lässt sich alles gut auf dem Markt in Cape Coast oder in Komenda verkaufen und ihr Einkommen für die nächsten 2 Wochen ist wieder gesichert.

Baobab wird vom Buschfeuer in Mitleidenschaft betroffen


Die Dininghall samt Küche brennt ab.
All das liegt schon über 3 Jahre zurück, wäre längst vergessen, wenn der Wind nicht gedreht hätte und sich das Buschfeuer bis an das Gelände von Baobab in der Centralregion von Ghana ausgebreitet hätte.
 2005, also 6 Jahre zuvor, hatte die Freiburger Lehrerin Edith de Vos dort mit dem Aufbau einer Schule für jugendliche Analphabeten und „School-Drop-Outs“ begonnen. Die ersten zwei Rundhäuser auf dem Gelände hatte sie ganz im Sinne der alten ghanaischen Tradition aus Lehm bauen und mit einem Reetdach bedecken lassen.  Dieses strohbedeckte Dach lässt die warme Luft nach draußen durch, schafft damit ein Klima im Inneren, das die feuchtschwüle Luft Ghanas erträglich werden lässt. 2009 habe ich selbst 2 Wochen in diesem wunderbaren Rundhaus wohnen dürfen, viel besser durchlüftet als ein Haus mit moderner Bauweise.
Doch die strohbedeckten Dächer können 2011 den feinen Funken des Buschbrandes nicht lange widerstehen, dann brennen beide Häuser lichterloh und setzen nun auch die Büsche und Bäume ringsum in Brand, die doch bisher so gut Schatten gespendet hatten.


Die Baobab Culture Troupe verliert alle Instrumente und Kostüme

Diesem Flammenheer fallen weitere Häuser zum Opfer, die Küche samt ‚Dining Hall’ (unten auf dem Bild), auch das gerade neu gebaute Haus mit all den Trommeln und wunderschönen Kostümen und Accessoires für die ‚Baobab Culture Troupe’ und eine ebenfalls mit Stroh bedeckte 'Kente-Werkstatt', in der die Jugendlichen nachmittags einen Beruf des Webers lernen.
Es ist Samstag, alle Jugendlichen samt Betreuern sind daheim bei ihren Familien, nur einer ist auf dem Gelände des ‚Baobab Centers’, hoffnungslos überfordert vom Feuer.


Rückschlag und Wiederaufbau dank Nachbarhilfe und Spenden

Dorfbewohner aus dem naheliegenden Kissi kommen zum Löschen der Brandherde, damit das Feuer nicht auch noch auf ihr Dorf übergreift. Es gibt auch ein Feuerwehrauto im nächsten Ort, aber der einzige Fahrer mit dem Autoschlüssel in der Hosentasche hat frei und muss erst gesucht werden.
Mühsam ist der Wiederaufbau, Spenden aus Deutschland trudeln ein, aber es ist ein großer Rückschlag für die ‚Baobab Children Foundation’.

Ein Rundhaus ist auf dem alten Fuindament neu entstanden.
Die alten Pfeiler sollen an die Vergangenheit erinnern.
Ein Jahr später bin ich zur gleichen Jahreszeit wieder bei Baobab, arbeite in der ‚Baobab School’ und lebe mit den Jugendlichen im ‚Baobab Center’.
Vieles ist schon wieder aufgebaut. An die abgebrannten ersten Rundhäuser erinnern nur noch die stehengebliebenen Eckpfeiler aus Beton.
In der Ferne sehe ich wiederholt Buschfeuer und komme auch immer wieder an verbrannten Flächen vorbei.
Edith de Vos, die Chefin von Baobab in Ghana, lässt auf ‚Fanti’ im Radio Aufrufe verkünden, doch endlich mit der Brandrodung aufzuhören, sie erinnert auch an den verheerenden Brand im Jahr zuvor, aber die Worte verhallen ohne sichtbare Wirkung.
Warum sollten die ghanaischen Dorfbewohner auch darauf hören? 

Regenwald

Ein Bauer brennt direkt neben dem Baobabgelände Gestrüpp ab.
Brandrodung gehört seit Jahrhunderten zum Land. Früher waren weite Teile Ghanas in einem hunderte Kilometer breiten Streifen entlang des Äquators vom Regenwald bedeckt. Der Regenwald war immer eine undurchdringliche vegetative Einheit für sich. Ganz unten auf dem Boden war es durch die darüber liegenden Baumarten sehr dunkel und unwirtlich für den Menschen.
Aber die Menschen drangen im 20. Jh. immer weiter vor, fällten die Geld bringenden Mammutbäume, erfüllten den Menschen der reichen Länder den Wunsch nach schönem Tropenholz, rodeten den Urwald und legten Felder für die eigene Versorgung an.
Mango- und Kakaobäume wurden gepflanzt.

Flughunde

Die Flughunde, seit Jahrtausenden unbehelligt lebend im Regenwald, wurden immer mehr ihres natürlichen Umfeldes beraubt, der Mensch rückte ihnen mit seinen Feldern auf die Pelle. Flughunde schienen für den Menschen auch gänzlich ungefährlich, sie greifen nicht an, fressen kein Fleisch. Gut, sie holen sich, wo ihr Regenwald, ihr angestammtes Gebiet nun so geschrumpft ist, eben die Früchte von den Bäumen der Bauern. Und manch ein Kind freut sich über eine angeknabberte Frucht, die ein Flughund fallen lässt, wenn des nur gelingt, dieses Tier aufzuschrecken. Mit einem Gewehr erlegt oder mit Netzen eingefangen landen immer mehr Flughunde in den Kochtöpfen der Armen Mittel- und Westafrikas, das Fleisch schmeckt ganz gut, uns würde es an Hühnerfleisch erinnern.
Ghana in West-Afrika
Wer hat ahnen können, dass der Flughund schon seit Jahrtausenden der Wirt eines Virus ist, es interessierte bisher auch niemanden, solange der Mensch Abstand hielt vom Regenwald. Nun aber war der Mensch sehr weit in den Lebensraum des Flughundes eingedrungen, hatte sich dort breit gemacht, hatte die Gefahr nicht erkannt, die er damit eingeht. Klar, jeder weiß inzwischen, dass die Abholzung des Regenwaldes schlecht für das Weltklima ist. Aber warum soll ein Virus, das in ganzen Flughund-Großfamilien seit Urzeiten lebt, so wie bei uns Menschen der Schnupfen, nun eine Gefahr für den Menschen darstellen?

Ein unlösbares Problem entsteht, wenn es einem Krankheitserreger gelingt, vom Tier auf den Menschen überzuspringen. So lässt sich die Malaria nie mehr ausrotten, denn das Virus dazu lebt in malariaverseuchten Mücken. Unmöglich ist es, alle Mücken auf der Welt zu töten, um eine weitere Ansteckung der Menschen mit Malaria zu verhindern. Also schlucken wir Menschen z. B. ’Malarone’, eine Anti-Malaria-Pille, wenn wir nach Afrika reisen und/oder reiben uns mit giftiger Salbe ein, damit uns kein Moskito mit Malaria ansteckt.


Respekt vor der Natur

Je mehr der Mensch in den Lebensraum der Tiere vordringt, je mehr der Mensch die natürliche Barriere zwischen Menschen, Tieren und Pflanzen aufhebt, um so mehr Krankheiten bis hin zu Epidemien schrecken uns auf, angefangen bei der Tollwut, über die Rinderseuche, dann SARS und die Schweinegrippe bis hin zu Ebola. Wir haben anscheinend den Respekt vor der Natur verloren.
Aber wir Menschen eröffnen den Viren noch ganz andere Möglichkeiten, indem wir immer mobiler werden, durch die ganze Welt reisen und unser Hab und Gut auf dem Globus hin und her transportieren. Ebola ist also kein Problem von Guinea, Sierra Leone oder Liberia. Es könnte heute Abend schon ein Problem von Ghana sein und morgen ein Problem von uns Menschen in Deutschland.
Ebola ist auch ein Problem der Globalisierung und die Konsequenz unserer Art zu leben – heute – jedes einzelnen hier  und sonst wo in der Welt.

Danksagung
Ich danke Amrai Coen und Malte Henk für ihre Ebola-Recherche, wofür sie extra ins Ebola-Gebiet nach West-Afrika gereist sind.  In "Die Zeit" vom 23.10.2014 haben sie darüber einen aufschlussreichen Artikel gesetzt, wofür ich ihnen hiermit danken möchte. Viele ihrer fachlichen Infos sind mit in diesen Artikel eingeflossen.


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