Translate

Sonntag, 5. Juni 2016

Baobab präsentiert sich auf der Veranstaltung der Juniorfirma Steinbrücke der Waldorfschule MV in Berlin


Charly am Baobab-Stand (4.6.16)
Für Samstag, den 4.Juni, war Baobab zur 20 Jahre-Feier der Schülerfirma ‚Steinbrücke’ der Waldorfschule MV in Berlin eingeladen worden.
2 ehemalige Volontäre, Charly F. und Susan S., sowie ich als Vorsitzende des dt. Baobab Vereins hatten einen Stand mit Produkten von Baobab aus Ghana aufgebaut.

Seit 2006, als die 1. Vorsitzende von ‚Baobab Children Foundation e.V.’ Heide K. dort einen Vortrag hielt, wird Baobab von der ‚Steinbrücke’ unterstützt, immer demokratisch abgestimmt von den gleichberechtigten Mitgliedern der Juniorfirma. Um die Dimension dieser Hilfe deutlich zu machen, hier auch eine Zahl: Genau 14.243 € wurden im Laufe der Jahre bis heute an Baobab überwiesen. 

Aber ebenso wichtig wie diese finanzielle Zuwendung ist auch die wiederholte personelle  Unterstützung von Steinbrücklern: Nachdem Etienne Sch. ein Jahr Volontär bei Baobab in Ghana war, taten es ihm von 2011 bis 2012 Charly F. nach und 2013 bis 2014 Susan S.
Immer haben diese nach ihrem Freiwilligenjahr in der Waldorfschule und im Kreis der Steinbrücke über ihre Erlebnisse berichtet  bzw. Vorträge gehalten, Fotos gezeigt und in der Schülerzeitung einer breiteren Leserschaft die Erfahrung bei Baobab in Ghana näher gebracht.

Bib Buchholz hat in ihrem Vortrag auf der Veranstaltung nicht nur Baobab vorgestellt, sondern auch diese Verzahnung der Kontakte zwischen Baobab und Steinbrücke, dieses Netzwerk, das sich zwischen den einzelnen Menschen über Jahrzehnte gebildet hat, herausgestellt:
Es kommt auf  unsere Kontaktbereitschaft an, dann auf die Pflege dieser Kontakte, auf das Sich-Einsetzen für eine Idee, für andere, vielleicht vordergründig ohne Nutzen für einen selbst.

Auch die Steinbrückler arbeiten wie der deutsche Verein ‚BCF e.V.’ ehrenamtlich, verwenden von ihren Gewinnen nichts für sich, sondern geben diese an unterstützungswürdige Projekte weiter und merken, wie gut es sich anfühlt, etwas Gutes zu tun, Solidarität zu zeigen und zu leben.
Die Gruppe aus Madagaskar am 4.6.16

Auch die Einnahmen dieser 20-Jahr-Feier der Steinbrücke möchte die Steinbrücke nicht für sich verwenden, sie gehen davon nicht essen und fahren auch nicht in einen Erlebnispark, nein, sie leiten es an die an diesem Tag vorgestellten Projekte weiter.

So auch an Baobab oder an die Gruppe der Jugendlichen aus Madagskar, die gerade per Flugzeug eingetroffen waren, ähnlich wie 5 Jahre zuvor unsere "Baobab Culture Troupe" aus Ghana.


Baobab sagt jedem heutigen und ehemaligen Mitglied von Steinbrücke DANKE! DANKE!

Und Herrn Benner möchten wir einen ganz besonderen Dank zukommen lassen.

Donnerstag, 19. Mai 2016

Eröffnung der Ausstellung der Werke des Künstlers und Baobab-Lehrers Godwin Adjei Sowah


'Ancestral Heritage' - von Adjei Sowah 2015/16
Ich danke Wilfred Amoah Marfo für die Möglichkeit, hier in seinen neuen schönen Räumen im Stellinger Weg 38f den Hamburgern einen ghanaischen Künstler  und ein kleines aber feines Kinder-Hilfsprojekt in Ghana, nämlich Baobab, vorstellen zu dürfen.
Ich danke Andrea Spatzek und Philipp Neubauer, beide langjährige Schauspieler der ARD-Serie Lindenstraße, Andrea sogar schon seit Beginn der Serie, also seit 30 Jahren, für ihr Kommen. Sie beide haben den Weg von Köln nach Hamburg auf sich genommen und wollen mit ihrem Kommen das Projekt Baobab und damit auch den Maler unterstützen, wofür ich ihnen als Vorsitzende im Namen von "Baobab Children Foundation e.V." sehr danke.
Philipp Neubauer, Bib Buchholz, Willi Marfo, Andrea Spatzek

I. Warum nun gerade eine Ausstellung der Bilder im Frachtraum?

An meinem ersten Tag hier nach meinem Umzug nach Hamburg habe ich bei einem Rundgang durch Eimsbüttel die Hinweistafel vor dem Frachtraum entdeckt, mit der Aufschrift, dass es dort „Stullen“ zu essen gäbe. Da ich ursprünglich aus Berlin komme und mit dem Spruch „Mama, wirf mal ne Stulle runter“ in Kreuzberg aufgewachsen bin, hat dieses Wort mein Herz geöffnet und mich sofort in dieses Café/diese Bar gelockt und eine Freundschaft konnte beginnen.


Frachtraum: Stellinger Weg 38f, Hamburg Eimsbüttel
geöffnet montags bis samstags von 10 - 23 Uhr
Da ich selber schon einige Monate in Ghana bei Baobab gearbeitet hatte, lag es nahe, Wilfred bald zu fragen, in welchem Teil Afrikas seine Wurzeln liegen, weil er mich schon sehr an Ghana erinnert hat – und ich lag richtig.  
Als sein Umzug in größere Räume in der Planung war, kam die Idee auf, dort die Werke eines mir sehr verbundenen ghanaischen Künstlers ausstellen zu dürfen.


Godwin Adjei Sowah, geboren 1978 in Accra/Ghana


II: Wer ist dieser Künstler Godwin Adjei Sowah?

Ich habe ihn erstmals 2008 und dann während meines viereinhalb-monatigen Aufenthalts von Ende 2011 bis Mai 2012 immer wieder bei seiner Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in Ghana bei Baobab erlebt und schätzen gelernt.
Ich erlaube mir, ihn nur noch Adjei zu nennen, so wie er mich irgendwann nur noch „Ma“ genannt hat. Adjei ist sein Rufname, er ist 1978 in der Hauptstadt Accra geboren und aufgewachsen und zugehörig zu der Ethnie Ga, falls das jemand etwas sagt. 

'Retureding' (2015/16)

Nach dem Abitur besuchte von 1995-1998 das Ghanatta College of Arts in Accra. Dieses Studium schloss er mit einem Preis für den besten Künstler des Jahres ab. Um als freischaffender Künstler leben zu können, eröffnete er in Accra einen ganz kleinen Galerie-Shop, in dem er seine Bilder anbietet, sich davor mit anderen Künstlern trifft und auch Malunterricht gibt.

In seiner Malerei wendet sich Adjei gerne typisch afrikanischen Motiven zu. Die Menschen in ihrer natürlichen Umgebung und in ihren alltäglichen Tätigkeiten geben seinen farbigen, bewegten Bildern ihren Inhalt. Anregen lässt er sich dabei unmittelbar von seiner Umgebung oder er folgt inneren Bildern, die er versucht sichtbar zu machen. Sein Medium sind vorwiegend die Acryl-Farben, die er mit Malmesser und Pinsel auf die Leinwand aufträgt. Wer seine Bilder sieht, fühlt sich unmittelbar in afrikanisches Leben versetzt.



III. Wie fanden der Künstler und Baobab zusammen?

Edith de Vos, die Gründerin von Baobab in Ghana, lernte den Maler 2004 in Accra kennen. Sie unterhielten sich wiederholt über seine Kunst und er erzählte Edith von Straßenkindern der Hauptstadt, die immer wieder zu ihm kommen und mit denen er ab und zu malt.
'Children Trafficking'  -  Baobab-Schülerarbeit
Edith lud ihn ein, in der Baobab-Schule  die dortigen Straßenkinder zu unterrichten.

Gerade die Weitergabe seines Könnens an Kinder, Jugendliche und Erwachsene ist diesem ruhigen und besonnenen Künstler ein großes Anliegen. Seit 2006 malt Adjei an der „Baobab Schule für Handwerk und traditionelles Kunsthandwerk“ als Kunstlehrer mit den Jugendlichen. Er wurde einer der zuverlässigsten Mitarbeiter und kommt immer in der "Workshop week", der letzten Woche im Monat, zu Baobab, um mit einer Gruppe von Schülerinnen und Schülern zu arbeiten.

IV. Was kann man sich unter dieser Baobab Schule in Ghana vorstellen?

Im Jahre 2000 hatte die Freiburger Lehrerin Edith de Vos begonnen, eine von einem Einheimischen geleitete Grundschule zu unterstützen.Die Baobab Schule wurde dann von Edith 2005 in der Zentralregion von Ghana für ältere Kinder gegründet, sie lebt seither in Ghana, um das Projekt ständig weiterzuentwickeln.
Viele Kinder haben oft jahrelang zu wenig zu essen bekommen, sind in der staatlichen Grundschule nicht mitgekommen, da sie oft Fehlzeiten hatten, immer dann, wenn die Eltern die Schulneben-Kosten nicht aufbringen konnten oder einfach kein Geld für Halbschuhe oder für die Schuluniform da war – und ohne Halbschuhe und Uniform kein Zutritt in eine staatliche Schule. In Ghana gibt es kein Sitzenbleiben, aber man wird nicht versetzt, wenn man die Prüfungen am Ende des Schuljahres nicht schafft. So bleiben diese Kinder einfach in der untersten Klasse hocken, machen keine Fortschritte, zweifeln an sich, geben auf und bleiben der Schule ganz fern. 
'Kinderarbeit' - Schülerin Comfort Arthur

Andere Kinder haben davor gar keine Schule von innen gesehen, weil die Eltern sie von klein auf für die Arbeit auf dem Feld oder für den Verkauf von irgendetwas an der Straße brauchten. Und es gibt Baobab-Jugendliche, die in den früheren Schulen mit dem Stock so viele Schläge bekommen haben, dass sie aus Angst weggeblieben sind.

Alle haben Hunger kennen gelernt, manch ein Kind täglich. 
Nach solchen Erfahrungen kommen die Kinder mit sehr wenig Selbstbewusstsein zu Baobab, der volle Bauch, eine praktische  Ausbildung  oder die Kunst helfen ihnen, innerlich wieder zu wachsen. Die Baobab Schule gibt diesen vernachlässigten Kindern Halt und eine Hoffnung auf ein besseres Leben.
'Moscito nets'  -  Baobab-Schülerarbeit

Diese einfache Baobab-Internatsschule wird großteils finanziert durch Patenschaften und Spenden aus Deutschland und ist für die Kinder aus diesen armen Familien kostenlos. Bei Baobab bekommen sie dreimal am Tag eine warme Mahlzeit, es gibt sauberes Wasser zu trinken, jeder hat ein eigenes Bett mit Moskitonetz und genug zum Anziehen.
Sie lernen lesen, schreiben, rechnen, Englisch und bekommen eine praktische Ausbildung im Handwerk oder – dafür ist dann der Künstler Adjei zuständig: im Malen als eine Form des Kunsthandwerks.

V. Wie  können wir uns den Kunstunterricht bei Adjei vorstellen?

'Music Makers'   - Adjei Sowah 2015/16
Adjei kommt jeden Monat eine ganze Woche zu Baobab und hält einen Kunst-Workshop mit all den Jugendlichen ab, die es gerne wollen, die es vielleicht aufgrund von traumatischen Erfahrungen bitter nötig haben oder die vielleicht auch begabt sind und selber einmal durch Kunst ihren Lebensunterhalt verdienen wollen.
Den Kunst-Workshop leitet Adjei Sowah auf eine besondere Art und Weise, er hat das Händchen und Herz, Kunst als Therapie für benachteiligte Kinder in Ghana einzusetzen. Er gibt täglich ein Thema vor, lehrt die dazu passenden Techniken und unterstützt jeden einzelnen kleinen Nachwuchskünstler mit großer Geduld. Eine Weile ist er auch mit den Jugendlichen raus in die Natur gegangen und hat jeden an einer Staffelei malen lassen.

Adjei nimmt jedes Kind, das den Wunsch äußert, in den Kunst-Workshop auf. So habe ich erlebt, wie auch Augustina, eine junge Frau, die als Kind 8 Jahre als vermeintliche Hexe in einen niedrigen Stall zu den Ziegen eingesperrt war, immer malen durfte.  

Adjei töpfert 2012 mit seiner Kunstgruppe (links Augustina)
Natürlich war sie nicht von einer Hexe besessen,  ein noch weit verbreiteter Irrglaube in Ghana, sie hatte nur Epilepsie, die  natürlich in diesen 8 furchtbaren Jahren ohne medizinische Versorgung schwere Schäden hinterlassen hat und ihr häufiges Zittern bereiten ihr große Probleme, den Pinsel zu führen.

Das Malen mit Adjei ist etwas ganz Besonderes für die Jugendlichen, die, bevor sie zu Baobab kamen, noch nie in ihrem Leben einen Buntstift, geschweige denn einen Pinsel, in der Hand hatten, höchstens einen Kugelschreiber oder Bleistift. Diese traumatisierten Jugendlichen, die z.T. noch gar nicht richtig schreiben können, lernen ihre Umgebung wahrzunehmen, drücken mit dem Pinsel aus, was sie fühlen und ihre Seele heilt, ihr Selbstbewusstsein baut sich wieder auf, furchtbare  Erlebnisse können verarbeitet werden.
Manch ein junger Künstler ist sehr talentiert und die regelmäßige Arbeit mit dem Künstler Adjei  Sowah setzt verstecktes Potenzial frei. Er hat ein gutes Gespür, wo er unterstützen und fördern muss und was er von einem jugendlichen Künstler auch fordern kann.
Nicht aufgehängt haben wir Schülerbilder, das hätte hier den Rahmen gesprengt. Aber ich habe viele Bilder gesehen und auch archiviert. Sie drücken die Nöte vieler Kinder in Afrika aus. Sie zeigen Teenagerschwangerschaft, Kinderarbeit, Verkauf von Kindern, Kindersoldaten. Sehr eindrücklich haben die Schülerinnen und Schüler diese Themen aufgegriffen und bearbeitet.
Gleichzeitig zeigen die Bilder aber auch die andere Seite Afrikas. Die Jugendlichen malen in Adjeis Workshops das, was sie in der Natur vorfinden, sie malen ihre Dörfer und die Fischer am Meer, die stolzen Frauen mit gefüllten Körben auf dem Kopf, fangen dabei die Schönheit Ghanas ein und geben dem gemalten Alltagsleben einen Wert.
'Girls Talking II'  - Adjei Sowah 2015/16

Während früher viele Kinder aus dem ärmlichen Hinterland Ghanas ihr eigenes Dorf mit den einfachen Lehmhütten, die ja mit jeder Regenzeit wieder etwas von ihrer Substanz verlieren,  als rückschrittlich ansahen, öffnet Adjei ihnen durch die Malerei wieder die Augen für die Schönheit des Landes. Adjei und auch Baobab wollen die Jugendlichen damit auch davon abhalten, in die Slums der Hauptstadt zu wechseln oder gar in der Auswanderung in Nachbarländer oder gar nach Europa ihr Glück zu suchen.

VI. Mit dem Verkauf der Bilder ermöglichen wir einen guten Kunstunterricht

Die Einkünfte durch den Verkauf seiner Bilder und der Durchführung vielfältige Workshops ermöglichen Adjei und seiner Familie mit drei Kindern von seiner Kunst zu leben. Der deutsche Verein „Baobab Children Foundation e.V.“ verkauft in Deutschland seine Bilder mit einem etwas angehobenen Preis, dieser zusätzliche Betrag kommt vollständig dem Unterhalt der Baobab Schule samt dem dortigen Kunstunterricht zugute. Adjei lässt seine Schüler und Schülerinnen bei Baobab immer nur mit gutem Material, also auf gutem Papier und mit Acrylfarbe, malen. Auch wenn manchmal das Geld bei Baobab in Ghana knapp ist, so kann er das ruhig verlangen, denn durch den Verkauf seiner Bilder in Deutschland kommt genug Geld herein, das dann auch in einen guten Kunstunterricht fließen darf. 

Alle hier abgedruckten mit Acryl gemalten Werke sind verkäuflich. Sie hängen zur Zeit im Frachtraum in Hamburg: 


Größe und Preis können erfragt werden bei Bib Buchholz: 

Hier anklicken, um zur E-Mail zu gelangen.

'Love Whisper'  - Adjei Sowah 2015/16
Ich leite hier von Hamburg aus als 1. Vorsitzende den dt. Verein und bin sehr dran interessiert, weitere Mitstreiter und Unterstützer in Hamburg zu finden. Natürlich freuen wir uns auch, wenn wir Adjei hier in Hamburg bekannt machen können und auch einige seiner Bilder einen neuen Besitzer finden.

Nun haben wir Adjei in diesem Jahr nach Deutschland eingeladen. Die notwendigen Papiere  sind bei der Dt. Botschaft in Accra eingereicht worden und die Flugtickets sind gekauft. Wenn die Dt. Botschaft keine Probleme macht, dann wird Adjei von Mitte Juni bis Mitte August bei uns in Deutschland sein. 
Es ist bisher nicht geplant, dass er auch in den Norden kommt, aber falls er zu einem Kurs, zu einer Ausstellung oder etwas Ähnlichem eingeladen wird, zwischen dem 14. und 31.7. wäre das möglich.
Ansonsten ist er vom 8.-10. Juli auf  dem „Afrika Festival“ in Stuttgart, dort gibt es auch eine Ausstellung mit seinen Bildern, anschließend gibt er einen Kurs in Gerlingen in der Nähe von Stuttgart.
Anfang August  ist er in Emmendingen beim "Afrika Festival" dabei.


Mittwoch, 19. August 2015

Der Philosoph Peter Singer macht sich für Patenschaften stark


Patenschaft und Anti-Moskito-Bettnetze

Baobab-Schüler malen ihr Bett samt Moskito-Netz (2015).
Der australischer Philosoph Peter Singer gab vor kurzem dem Spiegel ein Interview über effektiven Altruismus, die Wohlhabenen der Welt hätten eine moralische Pflicht etwas abgeben an andere, die zu wenig  haben.
Dabei macht er sich Gedanken, auf welche Art und Weise man alles helfen kann, er erwähnt auch langjährige Patenschaften für ein bestimmtes Kind und „überschaubare Beträge etwa für Anti-Moskito-Bettnetze“.

Patenschaften geben dem Paten auch etwas zurück

Weiter erläutert er in diesem Interview, all dies „kann eine ebenso große emotionale Befriedigung verschaffen. Ethik hat eine rationale Basis. Das moralische Gesetz ist laut Kant ein Gesetz der Vernunft, und der Gebrauch der Vernunft weckt durchaus positive Gefühle in uns, weil er zu unserer Selbstachtung beiträgt.“ (Spiegel Nr. 32/2015, S. 120)

Effektiver Altruismus

Singer wägt auch ab, ob man eher für ein Museum oder für ein Hilfsprojekt spenden solle, denn „in der Logik des effektiven Altruismus genießt die Rettung von Leben beziehungsweise die Herstellung oder Wiederherstellung lebenswerter Umstände höchste Priorität. In einer Welt, in der alle Armutsprobleme gelöst wären, hätte ich nichts gegen Spenden für Kunstgenuss. Solange aber jedes Jahr sechs Millionen Kinder unter fünf Jahren an den Folgen von Armut sterben, sollten wir uns anderen Aufgaben widmen.“ (ebenda S. 121)

Aufgewachsen auf dem europäischen Kontinent bin ich natürlich geprägt von Kants Lehre und den von Peter Singer im 'Spiegel' vorgestellten 'effektiven  Altruismus' unterschreibe ich gerne. So gerne ich in ein Museum gehe und dort Kultur aufsauge, auch für mich steht die Armutsbekämpfung immer im Vordergrund.
Lasst uns alle mehr für die Kinder dieser Welt tun, keines sollte hungern oder nicht zur Schule gehen können. Jedes Kind sollte eine Perspektive in seinem Heimatland haben und sich dort sicher fühlen.

Es gibt viele gute Projekte, die sich dieser Aufgabe auf der ganzen Welt verschrieben haben, ein Projekt davon kenne ich und dafür werbe ich auch: „Baobab Children Foundation“ in Ghana.
In Ghana sind Moskito-Netze ein Segen.

Baobab braucht Paten, denn noch immer stehen Kinder auf der Warteliste von Baobab. Sobald ein neuer Pate gefunden werden konnte, kann eines dieser Kinder aufgenommen werden, erhält es Unterricht, Essen, ein Bett samt Moskitonetz - ja, auch davon sprach Singer  -  und eine Berufsausbildung.

Freitag, 20. März 2015

„Fufu“ mit Soße und Ähnliches


Das Essen in Ghana

Coconutssoße wird hergestellt.
 Es ist gar nicht so einfach, über das Essen in Ghana zu schreiben, denn vieles, was am Straßenrand an Ständen angeboten wird, sollte ein Europäer lieber meiden, weil sein empfindlicher Magen mit dem Essen oder mit dem Wasser, was zur Zubereitung benötigt wurde, Probleme bekommen könnte.

Aber vieles konnte ich beobachten, wusste dann aber meist nicht, welche Zutaten dafür verwendet wurden. 

Kassawa und Yam

Die Wurzeln werden geschält.
Ich glaube, Ghanaer essen gerne eine Art Kloß mit einer roten oder braunen Soße. Zwischen den Klößen gibt es große Unterschiede: So kann der Kloß aus „Kassawa“, das ist eine größere Wurzel, oder aus Mais hergestellt sein. Aber er kann auch aus „Plantain“, das sind Kochbananen,  oder aus „Yam“ entstehen.
Natürlich gibt es auch noch Reis im Land, die daraus entstehenden „Riceballs“ sind eine weitere sättigende Beilage für die Soße.

Plantain und Fufu

 
Grace stampft die Wurzeln und George hilft (2012).
Zur Zubereitung der verschiedenartigen Klöße wird die Grundsubstanz gestampft, gemahlen, gekocht oder auch mal geröstet.
Jeder, der schon mal in Ghana war, hat noch das stundenlange Stampfen von „Plantain“ oder „Kassawa“ im Ohr, daraus wird das allseits beliebte „Fufu“ hergestellt, das als das Nationalgericht Ghanas bezeichnet werden könnte.

Überall in den Dörfern kann man Frauen oder Töchter vor ihrer Hütte oder im Innenhof sitzen sehen und in einer Schale oder Mörser die genannten Zutaten stampfen und die Masse immer wieder wenden sehen.

Vorbereitungen zuum Herstellen der Soße

Rote Soßen mit Chilli

Der so entstandene klebrige Klos ist in ganz Ghana sehr beliebt und wird mit einer scharfen oder feurigen Soße serviert. Neben Tomatenmark, Pfeffer und Chilli kann die Familie es sich manchmal auch leisten, etwas Fisch oder Fleisch zur Soße bzw. zur Suppe dazu zu geben.
Gemüse ist eher seltener darin zu finden.

 

 

Essen mit der reinen Hand

In der Dininghall beim Essen (2012)
 Mit der „reinen“ Hand, also mit rechts wird ein Stück vom Kloß so genommen, dass sich damit die Soße aufnehmen lässt, ein Löffel ist traditionell nicht notwendig.
Die linke Hand hat auf dem Tisch nichts zu suchen, sie ist für die unreinen Tätigkeiten vorbehalten. Auch ein Besucher sollte sich an die Aufgabenteilung der Hände halten, wenn er nicht Ablehnung spüren will.

Frittierte Yamstücke

Lebt man schon länger in Ghana und kann seinem Magen schon mehr zumuten, dann kann man auch auf eigene Gefahr frittierte Yamstücke, Teigbällchen oder Obst am Straßenrand kaufen. Bananen oder gekochte Eier kann man unbedenklich essen, alles, was eine Schale hat, kann fast nicht mit Schmutz in Berührung gekommen sein.
Bananen und Eier am Stand in Kissi

Sehr viel wird auch Weißbrot am Straßenrand angeboten, an das viele Essen von diesem weichen Brot muss man sich erst gewöhnen, falls man in Deutschland zuvor viel Vollkornbrot gegessen hat, und verschlingen wird man es, falls man mal eine zu scharfe Soße erwischt hat.

Dienstag, 3. März 2015

Can you help a boy with muscle dystrophy?

Bright 2012
Bright, die Baobab boy with muscle dystrophy, asked his doctor: Can you give me new muscles, can you install new muscles in my body?

Here you can find Brights story.

And in the last days a letter arrived me and Bright called for help:

"I'm getting weaker and weaker, so please Mum, if you can look for help in any way for me. To help me in my sickness..."

I'm not a doctor, I'm only an author, but I can publish his letter. Maybe samebody can help him. I hope it.

Here is his letter:

"Dear Madam Bib,
whenever I took my pen to write to you, I allways became so excited because I'm going to speak to my mother whom I have seen you for the past two or threee years ago.

How is life Mum? I hope you are doing well like in the olding days and everything is good lay, almitghty God.
Bright and his best friend Emmanuel Frimpong make
plastic sachets. (2013)

We are doing well here. I always thank you for the gifts you always give them to me and my brother all days.

Mum, I finished writing my "Foundation Exams" on last year in December 18th 2014. The exams were in two parts, the practical and the academics. The academic exam was in threee syllabus which is Maths, English and Entrepreneurship (T-S-T).
I choose Art as my practical, so I wrote exams about it.

And this will change my life in future. 

Collins + Bright with blue T-Shirts. (2014)
I'm still schooling in Baobab. My brother Collins  has also join me in the Art class and at the same in Cane and Bamboo.
I'm looking forward to write my trade test one in this year and when I pass, I will write the two in the following year that is 2016.
After that I can go to Senior High School.

But Mum, I'm getting weaker and weaker, so please Mum, if you can look for help in any way for me. To help me in my sickness issue which is not helping my studies.

Thank you for your brightness, lovely, hopeful and the kindness you are showing me and my family.

Yours faithful Bright Mensah"

Bright Mensah, Baobab Children Foundation, Post Office Box AD 534, Cape Coast
E-Mail to Bright: ghana@baobab-children.de

1. Kommentar:
Eine Ärztin hat in einem Kommentar  auf einen auf deutsch erscheinenden medizinischen Infodienst hingewiesen. Danke für den Hinweis auf diesen Link:

Einige medizinische Infos zur Muskeldystrophie

Donnerstag, 26. Februar 2015

The Baobab Tree in Madagascar and Africa

Vom 23. Februar 2015 für zumindest eine Woche, aber vielleicht auch wesentlich länger, läuft in der Mediothek von Arte ein sehenswerter Film über den Affenbrot-Baum "Baobab", Namensgeber für unser Projekt in Ghana "Baobab Children Foundation".
Klicke den folgenden Link an und nach einem kurzen Vorfilm beginnt der eigentliche Film:

The Baobab Tree


Sollte das nicht funktionieren, dann folgenden Link kopieren und selber aufrufen:
http://www.arte.tv/guide/de/040226-000/baobab?autoplay=1

Mittwoch, 21. Januar 2015

Can you read? Kannst du lesen?


Können alle Afrikaner(innen) lesen? 

Was soll diese Frage?! Natürlich! Und wer es nicht kann, ist selber schuld!!

Kinder sind nie schuld. 

Aber kein Kind ist schuld, wenn es etwas nicht kann.
Warum können so viele Kinder in Ghana und anderswo nicht lesen?

In Ghana ist die Grundschule umsonst!

 
Seit 2012 hängen die Buchstaben des Alphabets samt einem Symbol in der Dining Hall
über den Köpfen der Baobab-Jugendlichen. (Foto 2014)
Das ist gut.
Aber nicht umsonst sind die Schuluniform samt Halbschuhen,  die Schulbücher, die Stifte, die Hefte.
Barfuß darf man eine Schule einfach nicht betreten, mit Flip-Flop auch nicht! 
Na, dann sind alle Kinder von Armen vom Schulbesuch ausgeschlossen, die dafür einfach kein Geld übrig haben.

Viele Jugendliche konnten nicht lesen, als sie zu Baobab kamen.


Jeder Buchstabe hat einen Laut.
Immer wieder kommen 12-Jährige zu Baobab, die nicht schreiben und nicht lesen können. Und mit 12 Jahren fällt es schwer, das zuzugeben. Sie haben gelernt, das zu verheimlichen, es soll nicht auffallen, sie mogeln sich durch.

Was ist Lesen?

Aber eigentlich wissen sie auch nicht so richtig, was Lesen genau ist. Denn in Ghana ist es bei den großen Klassen üblich und auch gar nicht schwer, Texte auswendig zu lernen.
Da in den Klassen viele Kinder sind, lassen die Lehrkräfte die SchülerInnen sehr viel im Chor sprechen. Oder sie müssen alle nacheinander etwas vorlesen, dann können es aufmerksame SchülerInnen weiter hinten in der Kette auch bald auswendig.

Wenn ich einen Text auswendig aufsagen kann, dann kann ich wohl lesen.



Später wurden sie als Alphabet-Kette
in die Dininghall ghängt.

Bei Baobab hat mich eine Schülerin stolz zu sich ins Zimmer gerufen und mir angeboten, sie wolle mir etwas vorlesen. Als Lehrerin konnte ich diese Demonstration gar nicht ausschlagen.
Ich bekam das Buch zum Mitlesen und Lizbeth las eine Seite eines Schulbuches fast fehlerfrei vor. Als ich ein wenig mehr hören wollte, bekam ich zur Antwort, sie könne nur diese Seite lesen.
Lizbeth wusste gar nicht, dass Auswendiglernen nicht gleich Lesen ist.

Viele Analphabeten bei Baobab wussten gar nicht, dass jeder Buchstabe einen Laut (oder mehrere) hat, den man sich erschließen könnte.

NFE - Non Formal Education

Joyce lernt beim NFE-Lehrer Raphael den Zusammenhang zwischen Buchstabe und Laut.
In Fanti gibt es noch einen zusätzlichen Buchstaben. (Foto 2012)
Ghanaische Experten der 'NFE' kamen deshalb zu Baobab, um in der  vertrauten Sprache der Region, in Fanti,  genau dies zu vermitteln. In Fanti weiß jeder Jugendliche, wie alle Pflanzen der Umgebung heißen, er kennt z. B. alle Baumarten. In Fanti kann er alle Begriffe stolz sagen.
Mit einer speziellen NFE-Methode kann jede(r) den Zusammenhang von Buchstabe und Laut begreifen. 

Wenn das klar ist, dann geht das nach ein paar Wochen auch in der ungewohnten Schulsprache der weiterführenden Schule: in Englisch. Beginnt man aber den gleichen Sachverhalt in der Amtssprache Englisch zu vermitteln, dann ziehen sich dieselben Jugendlichen zurück, denn in Englisch sind sie unsicher, da kennen sie die meisten Begriffe nicht, da heißt z. B. jeder Baum einfach nur: tree.

Eine neue Welt erschließt sich.

Einfache Texte können bald gelesen werden. Man ist nicht mehr ausgeschlossen. Ganz neue Dimensionen eröffnen sich.
Ein Bilderbuch mit kleinen Begleitsätzen wird nicht nur von einem Mädchen verschlungen. Gleich mehrere Mitschüler schauen über die Schulter.
Ein Buch interessiert alle.          Foto von Susan Sh. (2014)

Wer lesen kann, ist glatt im Vorteil!