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Samstag, 1. November 2014

Was hat Ebola mit Baobab in Ghana in West-Afrika zu tun?


Buschbrand  

die frühere Kente-Werkstatt mit Reetdach
Zwei  junge Burschen, nicht mittellos, denn sie besitzen Mopeds, aber zur Zeit wieder mal ohne richtige Arbeit, ohne legales Einnahmen, kommen angebraust und stecken schnell und gekonnt eine Fläche Busch in Brand.
Die Jahreszeit Anfang März im Jahr 2011 haben sie für ihr Vorhaben gut gewählt, Regen gab es schon seit Monaten nicht mehr und alle Vegetation ist trocken, vieles geradezu verdorrt.
Sie postieren sich mit Gewehren an zwei Stellen und warten einfach ab. Es dauert nicht lange, da kommen schon die ersten aufgeschreckten kleinen Buschtiere aus dem brennenden Gestrüpp und wollen sich in Sicherheit bringen, doch sie laufen den beiden Männern geradewegs vor die Flinte und werden deren leichte Beute.
Nach wenigen Minuten haben sie so viele Tiere erlegt, wie sie auf ihren Mopeds mitnehmen können und sie brausen davon, bevor jemand sie wegen ihrer Schießerei zur Rede stellen kann.
Es ist allerlei kleines Viehzeug dabei, vielleicht auch ein Flughund, lässt sich alles gut auf dem Markt in Cape Coast oder in Komenda verkaufen und ihr Einkommen für die nächsten 2 Wochen ist wieder gesichert.

Baobab wird vom Buschfeuer in Mitleidenschaft betroffen


Die Dininghall samt Küche brennt ab.
All das liegt schon über 3 Jahre zurück, wäre längst vergessen, wenn der Wind nicht gedreht hätte und sich das Buschfeuer bis an das Gelände von Baobab in der Centralregion von Ghana ausgebreitet hätte.
 2005, also 6 Jahre zuvor, hatte die Freiburger Lehrerin Edith de Vos dort mit dem Aufbau einer Schule für jugendliche Analphabeten und „School-Drop-Outs“ begonnen. Die ersten zwei Rundhäuser auf dem Gelände hatte sie ganz im Sinne der alten ghanaischen Tradition aus Lehm bauen und mit einem Reetdach bedecken lassen.  Dieses strohbedeckte Dach lässt die warme Luft nach draußen durch, schafft damit ein Klima im Inneren, das die feuchtschwüle Luft Ghanas erträglich werden lässt. 2009 habe ich selbst 2 Wochen in diesem wunderbaren Rundhaus wohnen dürfen, viel besser durchlüftet als ein Haus mit moderner Bauweise.
Doch die strohbedeckten Dächer können 2011 den feinen Funken des Buschbrandes nicht lange widerstehen, dann brennen beide Häuser lichterloh und setzen nun auch die Büsche und Bäume ringsum in Brand, die doch bisher so gut Schatten gespendet hatten.


Die Baobab Culture Troupe verliert alle Instrumente und Kostüme

Diesem Flammenheer fallen weitere Häuser zum Opfer, die Küche samt ‚Dining Hall’ (unten auf dem Bild), auch das gerade neu gebaute Haus mit all den Trommeln und wunderschönen Kostümen und Accessoires für die ‚Baobab Culture Troupe’ und eine ebenfalls mit Stroh bedeckte 'Kente-Werkstatt', in der die Jugendlichen nachmittags einen Beruf des Webers lernen.
Es ist Samstag, alle Jugendlichen samt Betreuern sind daheim bei ihren Familien, nur einer ist auf dem Gelände des ‚Baobab Centers’, hoffnungslos überfordert vom Feuer.


Rückschlag und Wiederaufbau dank Nachbarhilfe und Spenden

Dorfbewohner aus dem naheliegenden Kissi kommen zum Löschen der Brandherde, damit das Feuer nicht auch noch auf ihr Dorf übergreift. Es gibt auch ein Feuerwehrauto im nächsten Ort, aber der einzige Fahrer mit dem Autoschlüssel in der Hosentasche hat frei und muss erst gesucht werden.
Mühsam ist der Wiederaufbau, Spenden aus Deutschland trudeln ein, aber es ist ein großer Rückschlag für die ‚Baobab Children Foundation’.

Ein Rundhaus ist auf dem alten Fuindament neu entstanden.
Die alten Pfeiler sollen an die Vergangenheit erinnern.
Ein Jahr später bin ich zur gleichen Jahreszeit wieder bei Baobab, arbeite in der ‚Baobab School’ und lebe mit den Jugendlichen im ‚Baobab Center’.
Vieles ist schon wieder aufgebaut. An die abgebrannten ersten Rundhäuser erinnern nur noch die stehengebliebenen Eckpfeiler aus Beton.
In der Ferne sehe ich wiederholt Buschfeuer und komme auch immer wieder an verbrannten Flächen vorbei.
Edith de Vos, die Chefin von Baobab in Ghana, lässt auf ‚Fanti’ im Radio Aufrufe verkünden, doch endlich mit der Brandrodung aufzuhören, sie erinnert auch an den verheerenden Brand im Jahr zuvor, aber die Worte verhallen ohne sichtbare Wirkung.
Warum sollten die ghanaischen Dorfbewohner auch darauf hören? 

Regenwald

Ein Bauer brennt direkt neben dem Baobabgelände Gestrüpp ab.
Brandrodung gehört seit Jahrhunderten zum Land. Früher waren weite Teile Ghanas in einem hunderte Kilometer breiten Streifen entlang des Äquators vom Regenwald bedeckt. Der Regenwald war immer eine undurchdringliche vegetative Einheit für sich. Ganz unten auf dem Boden war es durch die darüber liegenden Baumarten sehr dunkel und unwirtlich für den Menschen.
Aber die Menschen drangen im 20. Jh. immer weiter vor, fällten die Geld bringenden Mammutbäume, erfüllten den Menschen der reichen Länder den Wunsch nach schönem Tropenholz, rodeten den Urwald und legten Felder für die eigene Versorgung an.
Mango- und Kakaobäume wurden gepflanzt.

Flughunde

Die Flughunde, seit Jahrtausenden unbehelligt lebend im Regenwald, wurden immer mehr ihres natürlichen Umfeldes beraubt, der Mensch rückte ihnen mit seinen Feldern auf die Pelle. Flughunde schienen für den Menschen auch gänzlich ungefährlich, sie greifen nicht an, fressen kein Fleisch. Gut, sie holen sich, wo ihr Regenwald, ihr angestammtes Gebiet nun so geschrumpft ist, eben die Früchte von den Bäumen der Bauern. Und manch ein Kind freut sich über eine angeknabberte Frucht, die ein Flughund fallen lässt, wenn des nur gelingt, dieses Tier aufzuschrecken. Mit einem Gewehr erlegt oder mit Netzen eingefangen landen immer mehr Flughunde in den Kochtöpfen der Armen Mittel- und Westafrikas, das Fleisch schmeckt ganz gut, uns würde es an Hühnerfleisch erinnern.
Ghana in West-Afrika
Wer hat ahnen können, dass der Flughund schon seit Jahrtausenden der Wirt eines Virus ist, es interessierte bisher auch niemanden, solange der Mensch Abstand hielt vom Regenwald. Nun aber war der Mensch sehr weit in den Lebensraum des Flughundes eingedrungen, hatte sich dort breit gemacht, hatte die Gefahr nicht erkannt, die er damit eingeht. Klar, jeder weiß inzwischen, dass die Abholzung des Regenwaldes schlecht für das Weltklima ist. Aber warum soll ein Virus, das in ganzen Flughund-Großfamilien seit Urzeiten lebt, so wie bei uns Menschen der Schnupfen, nun eine Gefahr für den Menschen darstellen?

Ein unlösbares Problem entsteht, wenn es einem Krankheitserreger gelingt, vom Tier auf den Menschen überzuspringen. So lässt sich die Malaria nie mehr ausrotten, denn das Virus dazu lebt in malariaverseuchten Mücken. Unmöglich ist es, alle Mücken auf der Welt zu töten, um eine weitere Ansteckung der Menschen mit Malaria zu verhindern. Also schlucken wir Menschen z. B. ’Malarone’, eine Anti-Malaria-Pille, wenn wir nach Afrika reisen und/oder reiben uns mit giftiger Salbe ein, damit uns kein Moskito mit Malaria ansteckt.


Respekt vor der Natur

Je mehr der Mensch in den Lebensraum der Tiere vordringt, je mehr der Mensch die natürliche Barriere zwischen Menschen, Tieren und Pflanzen aufhebt, um so mehr Krankheiten bis hin zu Epidemien schrecken uns auf, angefangen bei der Tollwut, über die Rinderseuche, dann SARS und die Schweinegrippe bis hin zu Ebola. Wir haben anscheinend den Respekt vor der Natur verloren.
Aber wir Menschen eröffnen den Viren noch ganz andere Möglichkeiten, indem wir immer mobiler werden, durch die ganze Welt reisen und unser Hab und Gut auf dem Globus hin und her transportieren. Ebola ist also kein Problem von Guinea, Sierra Leone oder Liberia. Es könnte heute Abend schon ein Problem von Ghana sein und morgen ein Problem von uns Menschen in Deutschland.
Ebola ist auch ein Problem der Globalisierung und die Konsequenz unserer Art zu leben – heute – jedes einzelnen hier  und sonst wo in der Welt.

Danksagung
Ich danke Amrai Coen und Malte Henk für ihre Ebola-Recherche, wofür sie extra ins Ebola-Gebiet nach West-Afrika gereist sind.  In "Die Zeit" vom 23.10.2014 haben sie darüber einen aufschlussreichen Artikel gesetzt, wofür ich ihnen hiermit danken möchte. Viele ihrer fachlichen Infos sind mit in diesen Artikel eingeflossen.


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Sonntag, 19. Oktober 2014

Grace geht ihren Weg, Baobab in Ghana in West-Afrika hat ihr den geebnet


Kinderarbeit

Grace näht im Berufsschulunterricht.
Grace D. wurde als Kind zu einem Pastor als Haushaltshilfe gegeben, wo sie auf die Kinder des Pastors aufpassen musste, selber gar nicht älter als diese Kinder. 


Analphabetismus

Schlimmer noch als diese Kinderarbeit, war, dass sie die Kinder des Pastors für die Schule fertig machen musste, während sie selbst keine Schule besuchen durfte.   
Da in der Familie des Pastors Englisch gesprochen wurde, war ihr Englisch sehr gut, als sie zu Baobab kam. Aufgrund  ihrer guten Englischkenntnisse und ihrer gewandten Umgangsformen wurde sie der obersten  Klasse zugewiesen, ohne dass die Lehrer bemerkten, dass sie weder das Lesen noch das Schreiben beherrschte. 

Grace näht aus den Trink-Päckchen große Taschen.

Baobab School

Grace war durch die jahrelange Arbeit in der Pastorenfamilie den anderen Baobab-Jugendlichen in Englisch und in der  Haushaltsführung samt Kochen und Nähen weit überlegen, schämte sich aber zuzugeben, dass sie nicht lesen und  schreiben konnte und schaffte es, sich irgenwie unbemerkt durchzumogeln. Das geht in Ghana, weil so viel wiederholt und dann auswendig aufgesagt wird.

Baobab House

2011 wechselte Grace von der Baobab School im Baobab Center  ins Baobab House nach Cape Coast, weil sie einfach eine spezielle und ihrem Alter entsprechende Förderung benötigte.  So wurde sie angestellt als Köchin und Schneiderin im Baobab House und die Köchin Christy gab ihr ergänzenden Koch-Unterricht. Unter der Anleitung der Schneiderin im Baobab House wurden ihre Nähkenntnisse erweitert. 

Alphabetisierung

Edith de Vos schickte sie in Cape Coast in einen Kurs für Erwachsene, die weder lesen noch schreiben können. Bei  "Non Formal Education", einer staatlichen Einrichtung, konnte Grace ihre Schulbildung unter Gleichaltrigen vervollständigen. 

Anfang 2014 bekam Grace einen kleinen Jungen
Die strahlende Mutter Grace D. hält ihren kleinen Jungen auf Alhajis Hochzeit auf dem Arm.
Baobab hat sie nach der Hochzeit eingeladen, ins Center zu kommen, denn auch wenn sie nun nicht mehr für Baobab arbeitet, so wird immer wieder nach den Ehemaligen geschaut.
Vielleicht braucht Grace ja noch eine kleine Unterstützung, um trotz Baby so zu arbeiten, wie sie es bei Baobab gelernt hat. Daran soll es nicht liegen.



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Samstag, 18. Oktober 2014

Wie entstehen die schönen Batik-Stoffe bei Baobab in Ghana in Afrika ?



Ausbildung zur Batikerin

Hier wird Damast bedruckt.
Das Wachs ist auch noch nicht entwaschen worden.
Einige Baobab-Jugendliche lernen das Batik-Handwerk, also Stoffe mit traditionellen Mustern originell zu bedrucken.

Das Batiken beginnt, indem eine Art Stempel in heißes Wachs getaucht wird und dann der Stoff damit per Hand bedruckt wird.

Der Stoff glänzt noch, denn das Wachs ist noch nicht vollständig rausgewaschen worden.
Im Vordergrund steht das heiße Wachs zum Batiken.
Färben der Stoffe
Inzwischen wird auf einer offenen Feuerstelle Wasser erhitzt, um Farbpulver aufzulösen.
Der ganze  Stoff wird in eine Farbe getaucht.

Überall da, wo ein Wachsabdruck den Stoff bedeckt, kann der Stoff die Farbe nicht annehmen, so entsteht allmählich das Muster.

Ist der Farbdruck fertig, muss das Wachs wieder aus dem Stoff herausgewaschen werden, das geschieht, indem der Stoff in sehr heißes Wasser kommt, dann löst sich das Wachs ab und kann an der Wasseroberfläche abgeschöpft werden.

Nun wird der Stoff noch einmal in eine weitere Farbe getunkt.
Meist werden die Stoffe mit 2 Farben bedruckt, also muss der ganze Vorgang 2 x durchlaufen werden. Dabei  muss natürlich die erste Farbe gut getrocknet sein, bevor ein zweiter Arbeitsschritt begonnen werden kann.

Sie mögen die Masken nicht, aber es muss für ihre Gesundheit sein.
Zum Trocknen wird der gesamte Stoff einfach auf eine Leine gehängt oder später auch auf der Wiese ausgebreitet.






Manche Farbpulver sind so giftig, dass sich unsere Batik-SchülerInnen mit einer Maske schützen müssen. Eine Maske zu tragen mögen sie gar nicht, ist bei der Hitze auch verständlich.

Einige Stempel sind gekauft, diese hier im Bild sind vom Batik-Meister aus Schaumstoff geschnitzt geschnitzt worden. 



Für einen kleinen Spaß ist immer eine Gelegenheit.


Auch wenn man sich für ein gleichmäßiges Muster sehr konzentrieren muss, es sind Jugendlichen, die sich immer etwas zu erzählen haben, worüber mal lachen kann.

Na, vielleicht wird dann das Muster doch nicht immer ganz gleichmäßig, aber womöglich ist das ‚Aus-der-Reihe-tanzen’ bei manch einem Muster auch gewollt.


Schließlich werden die fertigen Stoffe zum Trocknen aufgehängt.


Die Stoffe trocknen in der Sonne und die Mädchen haben Freizeit.




Handarbeit

Es erfordert schon eine hohe Geschicklichkeit, so ein Muster ohne Maschineneinsatz herzustellen. Und während die Stoffe trocknen, ist Zeit für ein Schwätzchen oder zum Herumtollen.

 



Die gebatikten Stoffe werden vorgestellt
oder auch gleich um den Bauch gewickelt und gezeigt.

Präsentation der Baobab-Produkte

Am Ende einer Workshopweek werden die produzierten Stoffe allen vorgeführt.
Alle Batik-SchülerInnen sind stolz auf ihren Stoff.

Aber manch einer geniert sich auch ein wenig, vor allen 75 SchülerInnen und vor allen Lehrern und Meistern der Baobab-Schule zu stehen und das eigene Werk zu zeigen. Aber mit jeder Präsentation werden sie selbstbewusster und sicherer.

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Die Stoffe können auch in Deutschland erworben werden, immer da, wo wir auftreten, so

1. auf unserem Weihnachtsmarkt im Hofgut Sternen am Wochenende des 2. Advents 2014
und mit besonders reichhaltigem Angebot
2. auf der "Textile Art Berlin" vom 27.-28.6.2015 in der Carl-von-Ossietzky-Schule in Berlin-Kreuzberg, Blücherstr. 46-47, 10961 Berlin

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Freitag, 17. Oktober 2014

Die Schulzeit sieht bei Baobab im Westen von Afrika etwas anders aus.



Lizbeth strahlt immer, egal, wann man sie bei Baobab fotografiert.

Die Baobab School ist eine Art einfaches Internat für die Ärmsten der Armen

Drei Monate lernen und leben die Kinder und Jugendlichen bei Baobab, dann gehen sie für einen Monat zurück in ihr Dorf, zurück zu ihren „Versorgern“, manchmal sind es noch beide Eltern, oft nur die Mutter oder Oma, ansonsten Tante oder Onkel. Die Jugendlichen müssen dann ihrer Familie auf dem Feld helfen oder etwas anderes machen, was ein wenig Geld oder Essen einbringt. Denn auch wenn keine Familie etwas für Baobab zahlen muss, nichts für das Essen,  die Unterkunft, die Schuluniform oder die Stifte oder die Hefte, so ist doch jede Familie auf die Mithilfe von allen angewiesen.
Nach dem "Ferienmonat" treffen die SchülerInnen allmählich in der Schule ein, aber alle 70 sind erst am Ende der zweiten Woche da. Abgeholt werden inzwischen nur noch Bright und Collins, 2 kranke Brüder, die fast nicht mehr laufen können.


Die Jugendlichen lernen einen Beruf

Die Baobab-Internats-Schule ist in Trimester aufgeteilt, d.h. alle wohnen und schlafen hier 3 Monate  im Jungen- bzw. Mädchenhaus und machen neben dem Schulunterricht auch gleich eine Berufsausbildung und dann geht es für einen Monat heim und sie tauchen wieder in ihr gewohntes ghanaischen Familien- und Dorfleben ein.   

Die Jugendlichen putzen das Baobab-Gelände ganz selbstverständlich selber

Um halb sechs stehen die ersten Jugendlichen morgens auf und putzen erst mal ihre Zähne. Um sechs, wenn es noch nicht richtig hell ist, machen die meisten schon ihre morgendliche Aufgabe. Denn wer mit dem Fegen einer bestimmten Fläche dran ist, macht das natürlich lieber vor dem Waschen, weil er ja dabei ganz schön einstaubt.
Jisiah will einfach lernen, bisher hatte er nicht die Chance.
Eine kleine Gruppe von SchülerInnen hat von 6.30 bis 7.00 freiwillig „Extra Classes“, um auf eine Prüfung vorbereitet zu werden, die Ende November stattfindet.
Bis um 7 sollten dann die Mädchen, die den süßen Frühstücks-Brei für alle auf einer offenen Feuerstelle kochen, fertig sein, damit alle vor dem Schulunterricht etwas Warmes in den Bauch bekommen, manchmal verzögert sich das ein wenig.


Unterricht

Um 8 Uhr läutet einer die Schulglocke und alle SchülerInnen stellen sich in einer bestimmten Reihenfolge im Freien auf. Dann wird gemeinsam gebetet und die ghanaische Nationalhymne gesungen, das gehört einfach in Ghana dazu, wobei das immer ein anderer Schüler vorspricht oder anstimmt, übrigens alles in Englisch, nicht in Fanti, der Sprache der Region, denn die Baobab-Schule ist eine weiterführende (Privat-) Schule, und in allen Schulen, die auf die Grundschule aufbauen, wird die Amtssprache Englisch gesprochen. Dabei spielt es keine Rolle, dass die meisten Baobab-SchülerInnen zuvor keine Grundschule besuchen konnten, weil das Geld dafür nicht da war, oder der Besuch nur rudimentär  war.
John, ganz links, wurde von der Matter zu Baobab gbracht, weil sie einfach nicht mehr wusste, wie sie ihn ernähren sollte.
Schließlich werden noch ein paar Informationen verkündet oder auch Ermahnungen verteilt und dann wechseln alle schnell ihren Platz und es geht klassenweise in die 4 Klassenzimmer.
Übrigens, es gibt nur 4 Stunden a 45 Minuten Unterricht im Klassenzimmer am Vormittag, um 12 ist schon wieder alles vorbei. 


Der Berufsschul-Unterricht

Aber nach dem Mittagessen um  12.30 Uhr  beginnt der praktische Unterricht, der dann bis 15.30 Uhr dauert. Da können die Schüler und Schülerinnen Kenteweben, Batiken, Nähen, Schreinern, Rattan-Möbelbau, Fahrradreparatur und Beadsherstellung (recycelte Glaspulverperlen) lernen.
Nach 16 Uhr beginnt die Freizeit, irgendwann wird geduscht und um 17.30 Uhr gibt es es warmes  Abendessen. 

3 warme Essen am Tag bei Baobab - davon träumen Millionen von Kindern in Afrika!


Um 18 Uhr fängt es an, immer dunkler zu werden. Ghana liegt am Äquator, da gibt es fast keine Dämmerung, es wird schlagartig dunkel.
Es soll ein Holzscheid aufgerichtet werden, sie machen ein richtiges Gaudi daraus - schön.
Ab 19 Uhr ist es stockdunkel, aber seit 2014 sind Stromkabel zu allen Häusern auf dem Gelände unterirdisch verlegt.  Von 18.30 - 19.30 gibt es wieder „Extra Classes“ als Vorbereitung für einige SchülerInnen auf die „Foundation-Prüfung". Alle anderen haben "Englische Konversation" mit unseren Freiwilligen aus Deutschland.
Danach gehen die SchülerInnen in ihre jeweiligen Häuser und bereiten sich für die Nacht vor. Um 21 Uhr wird das Licht gelöscht.


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Donnerstag, 16. Oktober 2014

"Beat the Gong-Gong" - die Baobab Culture Troupe


Trommel- und Tanzgruppe

Baobab hat nicht nur für die eigenen Jugendlichen, sondern noch mehr für die Jugendlichen der Umgebung eine eigene Trommel- und Tanzgruppe, genannt "Baobab Culture Troupe" (BCT) aufgebaut.
In Ghana ist das traditionelle Trommeln und Tanzen noch sehr verbreitet. Kaum gibt es eine Veranstaltung, auf der die Trommeln nicht geschlagen werden und wenn der Chief in einem Dorf etwas mitteilen will, so nennt man das immer noch: beat the gong-gong.

Wie alles begann

2004 begann Mr. Hooper, hauptberuflich Trommel- und Tanzlehrer der Taubstummenschule in Cape Coast, Kinder aller Altersstufen und verschiedenster Schulen im Baobab Center einmal pro Woche zu unterrichten.

Baobab-Jugendliche beim Trommeln

Das Baobab-Tor steht jedem offen

Jeden Mittwochnachmittag kommen nun über 100 Kinder aus der Umgebung in unser Zentrum zum Trainieren. Manche haben von Baobab ein Fahrrad erhalten, damit es schneller zum Trommel- und Tanznachmittag bei Baobab geht. 
Oft sind neue Kinder dabei, sitzen erst eine Weile scheu daneben, können dann aber problemlos einsteigen und mitmachen: Sie haben die Tänze beim Zuschauen gelernt. Selbst die Kleinsten kommen sehr schnell über den Rhythmus in die Tänze hinein und können sich die Reihenfolge der einzelnen Parts erstaunlich gut merken.

Welche Motivation treibt Edith de Vos an
Die Pflege des traditionellen Trommeln und Tanzens bedeutet für uns die Wahrung alter Traditionen. Die Kinder sind stolz auf ihr Erbe, werden durch den Tanz selbstbewusst und mutig. Die Tänze sind sehr kompliziert und sie fördern Anmut, Intelligenz und Gemeinschaftssinn. Je länger die Kinder und Jugendlichen Mitglied dieser Truppe sind, desto schöner und anmutiger bewegen sie sich - nicht nur beim Tanzen, sondern auch im Leben. Die Kinder kommen alle aus sehr bedürftigen Familien, manche sind Waisenkinder, andere sind ehemalige verwahrloste, teilweise auch missbrauchte Kinder und Jugendliche.


Mit einem Tanz-Drama bei einem Auftritt
Das Repertoire der Tänze stammt aus ganz Ghana und anderen Teilen von West-Afrika. Fing alles mit dem Tanzen an, so haben wir inzwischen auch schon hervorragende Trommler und Trommlerinnen. Mädchen werden bei allem beteiligt und sind meist die Aktivsten.
Inzwischen wird die 'Baobab Culture Troupe' zu wichtigen Anlässen in Cape Coast oder sogar der Hauptstadt Accra eingeladen. Oft treten wir mit 45 Kindern auf, was immer wieder zu großer Begeisterung auf Seiten der Zuschauer führt.

Tanzdramen

Die selbstentwickelten Tanzdramen handeln von Konflikten zwischen Männern und Frauen, den Religionen und den verschiedenen Stämmen und deren Lösung, von dem Wert der Bildung, vor allem auch für die Mädchen, von Teenager-Schwangerschaft und HIV- Aids. Sie machen bewusst und schlagen Problemlösungen vor, was bei Auftritten immer wieder zu großen Diskussionen unter den Zuschauern führt.

Weitere Fotos findet ihr auf der Baobab-Homepage, einfach hier klicken.

Spendenaufruf

Einige unserer BCT-Mitglieder sind inzwischen junge Erwachsene und es wäre eine tolle Idee, mal mit dieser Truppe, von Dorf zu Dorf zu tanzen und damit Themen anzusprechen und mit den Menschen über Konflikte und deren Lösungen ins Gespräch kommen. 
  • Dafür bräuchten wir jemanden, der das sponsert. 
  • Wer möchte diese schöne Idee unterstützen? 
  • Wer kann uns einen Kontakt schaffen? Bitte schreibt uns eine E-Mail an: ghana@baobab-children.de  // patenschaften@baobab-children.de
Mehrere BCT-Jugendlichen gehen inzwischen auf weiterführende Schulen und haben vor, in der Universität 'Performing Arts' zu studieren. Zehn SchülerInnen unserer eigenen Baobab-Schule für Straßenkinder sind Mitglied der 'Baobab Culture Troupe'.

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Sonntag, 12. Oktober 2014

"Hexen"-Verfolgung in Afrika: "Du hälst den Schlüssel der Familie in der Hand", sagt die Familie zur 12-Jährigen, und die Tortur beginnt


Patience lernt bei BaobabTaschen aus
Recycling-Material zu nähen.

Eine typische Kindheit in Ghana

Als Kind hat Patience ihren Vater nicht kennen gelernt.  Als sie ungefähr 8 Jahre alt war, machte sich ihre Mutter auf den Weg in die Elfenbeinküste, um dort nach Arbeit zu suchen. Patience blieb bei ihrer Großmutter.
Diese hatte eine ganz kleine Bäckerei und konnte Patience durch Backen und den Verkauf der Brote am Straßenrand ernähren. Aber die Oma wurde älter und sie konnten vom Verkauf nicht mehr leben.


Verwandte halten sie für eine Hexe

Patience wurde deshalb zur Tante gegeben, aber es dauerte nicht lange und die  Verwandten sahen in ihr eine Hexe. Sie sagten, Patience habe den „Schlüssel der Familie“ in der Hand. Das ist eine Bezeichnung für jemanden, der Einfluss auf die Geschicke der Familie hat. Patience wurde von ihren Verwandten in ein so genanntes christliches  Prayer Camp in Komenda, das ist die nächstgrößere Stadt,  gebracht, um ihr die Hexe auszutreiben. Sie wurde dort „exorziert“ mit anderen Worten seelisch und körperlich misshandelt.


Befreiung aus der Misshandlung

Als Edith de Vos erfuhr, wo Patience war und was man dort mit ihr machte, fuhr sie nach Komenda und wartete vor dem Camp, bis Patience  mit ihren Verwandten raus kam.
Edith sagte ihnen, Patience sei Schülerin der 2005 neu gegründeten Baobab Schule, nahm sie schnell an die Hand und fuhr ins Baobab Center und brachte das Kind in Sicherheit. Patience war völlig verwirrt, glaubte zunächst selbst, sie sei eine Hexe, so hatten sie ihr zugesetzt.
Patience bringt Edith neu gepresste Smoothies. 
Der Fall wurde an Social Welfare und Human Rights übergegeben und Baobab  wurde gerichtlich die Vormundschaft für Patience übertragen. Sie war damals gerade mal 12 Jahre alt.

Noch heute hat sie neben den seelischen Verletzungen auch Brandnarben am Körper, die von den Misshandlungen geblieben sind.

Patience war Edith immer sehr dankbar für den Schutz, ja für die Rettung durch die Aufnahme bei Baobab.



Baobab Culture Troupe

2010 war Patience mit der Culture Troupe 3 Monate auf Tournee in Deutschland. Sie ist eine wunderbare Tänzerin.
Wer mehr über die Tanz- und Trommelgruppe von Baobab wissen möchte, einfach hier anklicken:

die Baobab Culture Troupe


Patience verkauft nun im Baobab House
in Cape Coast auch die Batik-Stoffe.
Seit Abschluss ihrer Schul- und Ausbildungszeit 2011 arbeitet sie als Köchin und Serviererin im Baobab Restaurant und bewohnt zusammen mit zwei anderen Mitarbeiterinnen, die auch ehemalige Baobab-Schülerinnen sind, ein großes Zimmer im Baobab House. Sie übernimmt gerne Verantwortung und ist eine sehr gewissenhafte Mitarbeiterin. Da sie in der Schule auch schneidern gelernt hat, hilft sie, recycelte Taschen und andere Dinge für den Verkaufsladen zu nähen und verdient sich damit etwas zusätzlich zu ihrem Gehalt.

Inzwischen hat Patience auch wieder Kontakt zu ihrer Mutter, die ihr ab und zu ein Päckchen aus Abidjan, Elfenbeinküste, schickt. Ihren Vater hat sie kurz kennengelernt, als Baobab eine Geburtsurkunde für sie für einen Pass für den Flug nach Deutschland beantragen musste.
Da in Ghana die Familie sehr wichtig ist, leidet Patience immer noch darunter, dass sie an ihrem freien Tag nicht ihre Familie besuchen kann.
Dafür lässt sie sich ganz auf Baobab ein, denn das ist ihre Ersatzfamilie geworden.
Patience ist nun 20 Jahre alt und eine selbstbewusste fröhliche junge Frau geworden, die mitten im Leben steht.
 

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